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Die Sch'tis in Paris - Eine Familie auf Abwegen
Die Sch'tis in Paris - Eine Familie auf Abwegen
© Concorde

Kritik: Die Sch'tis in Paris - Eine Familie auf Abwegen (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zehn Jahre nach der überaus erfolgreichen Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" strickt Regisseur und Hauptdarsteller Dany Boon aus einem innerfranzösischen Culture Clash erneut eine vergnügliche Posse. Wieder stehen die Bewohner der Region Nord-Pas-de-Calais mit ihrem an Sch-Lauten reichen Dialekt und ihrer herzlich-rauen Mentalität im Zentrum. Aber diesmal spielt Dany Boon nicht den einheimischen Postboten, der seinem neuen, in den Norden zwangsversetzten Vorgesetzten moralisch zur Seite steht, sondern einen neuen Charakter. Dieser Valentin verleugnet seine Herkunft und hat den Sch'ti-Dialekt längst abgelegt, denn beides passt nicht zum Image eines Star-Designers in Paris. Doch dann wird er unverhofft mit den eigenen Wurzeln konfrontiert.

Munter und unterhaltsam karikiert Dany Boon die arrogante, dünkelhafte Welt der Pariser Schickeria im Kontrast zur provinziellen Unterschicht, in der sich Valentins Mutter, Bruder und Schwägerin bewegen. Der Running Gag mit dreibeinigen Stühlen und anderen preisgekrönten Sitzmöbeln, mit denen Valentin und Constance die Rücken ihrer Kunden malträtieren, funktioniert eine ganze Weile. Die stylisch kühle Wohnung von Valentin und Constance wirkt auf den ungebetenen Besuch einschüchternd. Aber zugleich erscheint der minimalistisch funktionale Chic als ziemliche Geschmacksverirrung. Als Valentin nach seinem Gedächtnisverlust in seinem eigenen Bad den Wasserhahn und die Dusche betätigen will, setzt er gar eine Kettenreaktion technologischen Slapsticks in Gang.

Constance macht sich Valentin zuliebe mit dem Sch'ti-Dialekt vertraut, aber ihr geschäftstüchtiger Vater (François Berléand) will verhindern, dass Valentin mit seiner neuen Ausdrucksweise die Kunden verstört. Die Schauspieler hauchen ihren Figuren glaubhaft Leben ein, besonders Valentins Mutter und die Schwägerin Louloute, aber auch der kühle Schwiegervater sind gut getroffen. Pierre Richard hingegen wird als Valentins daheimgebliebener Vater in einer Slapstickrolle eher verheizt. Auf Dauer kann die Komödie ihre Klischeehaftigkeit nicht verbergen. Hier geht es, anders als in "Willkommen bei den Sch'tis", nicht um die Entdeckung einer charmanten Provinz. Vielmehr wird Valentins Verwandtschaft als reichlich prollig hingestellt, nur damit sich ein deftiger Kontrast zur Pariser In-Szene ergibt.

Fazit: Dany Boons Fortsetzung der Erfolgskomödie "Willkommen bei den Sch'tis" bietet kein Wiedersehen mit dem Postboten Antoine, sondern eine Geschichte, die um völlig neue Charaktere kreist. Im Mittelpunkt steht ein gefeierter Pariser Designer, der seine Herkunft aus dem Norden des Landes verleugnet. Doch die Verwandtschaft taucht eines Tages in Paris auf und sorgt für einen lustigen Culture Clash, den nicht nur ihr unverständlicher Dialekt verursacht, sondern auch ihre Zugehörigkeit zur Unterschicht. Trotz etlicher treffsicherer Pointen und der gut aufgelegten Schauspieler hält sich das Vergnügen aufgrund des klischeehaften Charakters dieser Komödie in Grenzen.




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