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OPER. L'opéra de Paris
OPER. L'opéra de Paris
© Kool Filmdistribution © Die FILMAgentinnen

OPER. L'opéra de Paris (2017)

L'opéra de Paris

Ganz große Oper: Französischer Dokumentarfilm über die Pariser Häuser Opéra Garnier und Opéra Bastille.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die Pariser Oper mit ihren zwei Standorten, dem 1875 eröffneten Palais Garnier im neunten Arrondissement und der 1989 eingeweihten neuen Oper am Place de la Bastille, ist eine Jahrhunderte alte Institution des französischen Kulturbetriebs. Im Herbst 2015 steht sie vor einem Umbruch. Mit Stéphane Lissner übernimmt ein neuer Direktor, der junge russische Bassbariton Mikhail Timoshenko erhält ein Engagement und die Vorbereitungen zur Saisoneröffnung mit Arnold Schönbergs "Moses und Aron" laufen auf Hochtouren.

Für seinen jüngsten Dokumentarfilm hat der Schweizer Regisseur Jean-Stéphane Bron die beiden Häuser besucht und ihre Macher und Mitarbeiter zwischen Januar 2015 und Juli 2016 mit der Kamera begleitet. Lissners und Timoshenkos Wege kreuzen die zahlreicher anderer Künstler, etwa die des Dirigenten Philippe Jordan, des Choreografen Benjamin Millepied oder der Sänger Bryn Terfel, Brandon Jovanovich und Michael Kupfer-Radecky. Bron macht hier nicht Halt. Er blickt auch hinter die Kulissen anderer Abteilungen von der Wäscherei über die Maske bis zur Bühnentechnik und ist bei Premieren, Preisverhandlungen, Entlassungen oder den Nachwehen der Terroranschläge vom 13. November 2015 dabei.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Wenn ein großes Kunstwerk zum ersten Mal dem prüfenden Blick der Öffentlichkeit unterzogen wird, sieht diese nur das fertige Ergebnis und nicht all die Mühe, die hineingeflossen ist. Regisseur Jean-Stéphane Bron bildet diesen Entstehungsprozess ab, indem er sich in fremde Gewässer vorwagt. Von der Institution Oper im Allgemeinen und der Pariser im Speziellen hatte Bron vor den Dreharbeiten wenig Ahnung. "Ich wollte die Pariser Oper wie ein Taucher filmen, der eine unbekannte Welt entdeckt", hat der er in einem Interview gesagt. Sein Publikum stürzt gemeinsam mit dem Schweizer mitten hinein in die kreativen Untiefen.

Jean-Stéphane Brons Herangehensweise ist vom Direct Cinema beeinflusst. Einstieg und Ende sind ebenso unvermittelt wie die handelnden Personen. Zwei Männer, die einen gewaltigen Fahnenmast vor dem Hintergrund des Eiffelturms aufrichten, verorten das Geschehen nonverbal. Der Rest ergibt sich aus den Zusammenhängen. Denn Jean-Stéphane ordnet die Verhältnisse weder durch einen Kommentar noch durch Texttafeln, Bauchbinden oder Interviews. In dieser riesigen Blase, in der die Kamera ganz dicht heranrückt, es aber ab und an versäumt, einen entscheidenden Schritt zurückzutreten, verliert das Publikum schon einmal die Orientierung. Keines der Opernhäuser mit seinen endlosen Fluren vor, hinter, unter und über den Bühnen ist von außen zu sehen. Der Verzicht auf Nachfragen wiederum lässt gewisse Unstimmigkeiten nur erahnen.

Dennoch erklärt sich der Großteil von selbst. Und es ist faszinierend, der Dynamik zwischen gleichberechtigten, vorgesetzten und untergebenen Künstlern, Verwaltern und Geldgebern, oft in babylonischem Sprachgewirr, beizuwohnen. Brons Film ist wie ein ungebetener Zaungast, der hinter die Kulissen spickt und von der Rampe aus mal urkomische, mal zutiefst bewegende Momente einfängt. Dann streiten sich die Sänger des Chors mit dem Choreografen um die bestmögliche geometrische Formation auf der Bühne oder eine Ballerina bricht nach ihrem Einsatz hinter dem Vorhang erschöpft zusammen. Da Jean-Stéphane Bron sich nicht nur auf einige wenige konzentriert, sondern die tägliche Arbeit mal aus Sicht des Direktors, mal aus der der Sekretärinnen, Wäscher, Maskenbildner und Bühnentechniker zeigt, erschließt sich einem am Ende all das Herzblut, das in diese Kulturinstitution fließt.

Fazit: Jean-Stéphane Brons Dokumentarfilm über die Pariser Oper ist selbst ganz große Oper. Brons intimer Blick hinter die Kulissen offenbart, wie viel Struktur und Streit, wie viel Konsens und Kreativität, wie viel Hierarchie und Herzblut zum Gelingen einer solch großen Institution notwendig sind.




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Land: Frankreich, Schweiz
Jahr: 2017
Genre: Dokumentation
Länge: 110 Minuten
Kinostart: 28.12.2017
Regie: Jean-Stéphane Bron
Darsteller: Stéphane Lissner, Benjamin Millepied
Verleih: Kool Filmdistribution, Die FILMAgentinnen

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