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OPER. L'opéra de Paris
OPER. L'opéra de Paris
© Kool Filmdistribution © Die FILMAgentinnen

Kritik: OPER. L'opéra de Paris (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wenn ein großes Kunstwerk zum ersten Mal dem prüfenden Blick der Öffentlichkeit unterzogen wird, sieht diese nur das fertige Ergebnis und nicht all die Mühe, die hineingeflossen ist. Regisseur Jean-Stéphane Bron bildet diesen Entstehungsprozess ab, indem er sich in fremde Gewässer vorwagt. Von der Institution Oper im Allgemeinen und der Pariser im Speziellen hatte Bron vor den Dreharbeiten wenig Ahnung. "Ich wollte die Pariser Oper wie ein Taucher filmen, der eine unbekannte Welt entdeckt", hat der er in einem Interview gesagt. Sein Publikum stürzt gemeinsam mit dem Schweizer mitten hinein in die kreativen Untiefen.

Jean-Stéphane Brons Herangehensweise ist vom Direct Cinema beeinflusst. Einstieg und Ende sind ebenso unvermittelt wie die handelnden Personen. Zwei Männer, die einen gewaltigen Fahnenmast vor dem Hintergrund des Eiffelturms aufrichten, verorten das Geschehen nonverbal. Der Rest ergibt sich aus den Zusammenhängen. Denn Jean-Stéphane ordnet die Verhältnisse weder durch einen Kommentar noch durch Texttafeln, Bauchbinden oder Interviews. In dieser riesigen Blase, in der die Kamera ganz dicht heranrückt, es aber ab und an versäumt, einen entscheidenden Schritt zurückzutreten, verliert das Publikum schon einmal die Orientierung. Keines der Opernhäuser mit seinen endlosen Fluren vor, hinter, unter und über den Bühnen ist von außen zu sehen. Der Verzicht auf Nachfragen wiederum lässt gewisse Unstimmigkeiten nur erahnen.

Dennoch erklärt sich der Großteil von selbst. Und es ist faszinierend, der Dynamik zwischen gleichberechtigten, vorgesetzten und untergebenen Künstlern, Verwaltern und Geldgebern, oft in babylonischem Sprachgewirr, beizuwohnen. Brons Film ist wie ein ungebetener Zaungast, der hinter die Kulissen spickt und von der Rampe aus mal urkomische, mal zutiefst bewegende Momente einfängt. Dann streiten sich die Sänger des Chors mit dem Choreografen um die bestmögliche geometrische Formation auf der Bühne oder eine Ballerina bricht nach ihrem Einsatz hinter dem Vorhang erschöpft zusammen. Da Jean-Stéphane Bron sich nicht nur auf einige wenige konzentriert, sondern die tägliche Arbeit mal aus Sicht des Direktors, mal aus der der Sekretärinnen, Wäscher, Maskenbildner und Bühnentechniker zeigt, erschließt sich einem am Ende all das Herzblut, das in diese Kulturinstitution fließt.

Fazit: Jean-Stéphane Brons Dokumentarfilm über die Pariser Oper ist selbst ganz große Oper. Brons intimer Blick hinter die Kulissen offenbart, wie viel Struktur und Streit, wie viel Konsens und Kreativität, wie viel Hierarchie und Herzblut zum Gelingen einer solch großen Institution notwendig sind.





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