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Kritik: The New Mutants (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Erstmals wurden die "neuen Mutanten" im gleichnamigen Comic aus dem Herbst 1982 dem Publikum und den Comic-Fans präsentiert. Die Verfilmung soll eine neue, junge Generation von Filmfans und Kinogängern ansprechen. Dabei ist "The New Mutants" schon fast drei Jahre alt: Die Dreharbeiten wurden bereits im September 2017 abgeschlossen. Daraufhin folgte eine Odyssee an vielfach verschobenen Startterminen, zuletzt unter anderem aufgrund der Corona-Pandemie.

Das Erbe, das die als neue Filmreihe geplanten New Mutants antreten, ist gewaltig: Die ursprünglichen, originalen drei X-Men-Filme (mit Halle Berry und Hugh Jackmann) traten dereinst, zu Beginn des neuen Jahrtausends, erfolgreich die erste große Comic- und Superheldenverfilmungs-Welle los. Die zweite, modernisierte Trilogie, mit James McAvoy und Michael Fassbender, kam erwachsener und ausgeklügelter daher – die Filme dieser Reihe (2011 bis 2016), vor allem "Erste Entscheidung" und "Zukunft ist Vergangenheit", zählen zu den stärksten Comic-Blockbustern der 10er-Jahre.

Regisseur Josh Boone ist sich dem bewusst und geht mit "New Mutants" deshalb einen gänzlich neuen Weg, in dem er seine 70 Millionen-Dollar-Produktion nicht als klassischen Superheldenfilm inszeniert, sondern vielmehr Versatzstücke aus Horror, Psycho-Kammerspiel und Coming-of-Age zu einem ganz eigenen Mix vereint. Das funktioniert in der ersten Hälfte ganz wunderbar, in der einem die unterschiedlichen Charaktere, frisch und leidenschaftlich von den charismatischen Jungdarstellern verkörpert, nähergebracht und ausgiebig vorgestellt werden.

Hier arbeitet Boone stilsicher zudem mit Rückblenden und -verweisen, wenn er in den Therapiesitzungen jeweils kurz in die Vergangenheit der jungen Mutanten blickt – und diese ihre Fähigkeiten erstmals entdecken lässt. Mit zum Teil dramatischen (und todbringenden) Folgen. Zudem steht "New Mutants" die beklemmende, unheilvolle und düstere Note sehr gut. Ebenso wie das bedrohliche Setting, mit all den einengenden Gängen, dunklen Räumen und Zellen: Das Forschungslabor fungiert hier als eine Art klaustrophobisches Jugend-Gefängnis und rein visuell passen sich die beängstigenden Szenerien sowie Kulissen des Handlungsortes der Grundstimmung des mit einigen heftigen Jump-Scares garnierten Films gut an.

Allerdings sorgt die Tatsache, dass sich weite Teile des Films ausschließlich in diesen Räumlichkeiten abspielen, auch für eine gewisse Beschränktheit in Plot und Dramaturgie. Hinzu kommt ein überzogener, verschwenderischer Einsatz von CGI und computergenerierten Spielereien, allen voran im finalen Drittel. Schade ist weiterhin, dass Boone die klassischen "Coming-of-Age"-Themen und -Inhalte nicht weiterverfolgt, obwohl er sie immer wieder anschneidet und aufflammen lässt. Etwa sexuelle Begehrlichkeiten und der (jugendliche) Wunsch nach Selbstbestimmung sowie mehr Verantwortung. All dies verläuft leider ziemlich schnell wieder im Sande.

Fazit: Halbseidene, inkonsequente und unfertig wirkende Mixtur aus Teenie-Drama, Coming-of-Age, Superheldenfilm, (Gothic-) Horror und Psycho-Kammerspiel, das mit abwechslungsreichen Charakteren und gelungenen Schockmomenten überzeugt.




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