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Kritik: Lucky Loser - Ein Sommer in der Bredouille (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Name des Regisseurs und Drehbuchautors Nico Sommer stand bislang vor allem für schmal budgetiertes Kino, das sich einige Freiheiten erlaubte: Ohne Fördergelder schuf Sommer mit "Silvi" (2013) und "Familienfieber" (2014) deutsche Vertreter des Mumblecore-Genres und ließ seine Filme dabei auf sehenswerte Weise zwischen Komik und Tragik sowie zwischen Pointe und Improvisation schweben. Dass Sommers Geschichten bisweilen unter einer gewissen Unentschlossenheit litten, war dabei zu verschmerzen und vermutlich der Preis für die vielen kleinen Überraschungen, die man hier erwarten durfte.

Von diesen Eigenheiten ist ist Sommers neuem Film "Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille" erstaunlicherweise nicht viel geblieben. Die vom ZDF koproduzierte Dramödie entpuppt sich rasch als konventionelle, stromlinienförmige Unterhaltung, wie man sie auch im Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender finden kann. Der Plot ist vorhersehbar, die Fallhöhe des unglücklichen Protagonisten nie schwindelerregend und der Witz größtenteils zahm.

"Lucky Loser" fehlt es an Biss und das wird immer gerade dann am deutlichsten, wenn sich die Produktion provokant gibt: Ein Seitenhieb gegen "Toni Erdmann", den deutschen Erfolgsfilm des letzten Jahres, geht ins Leere und so mancher Gag erscheint arg konstruiert. In einem besonders schwachen Dialog etwa diskutierten der Vater und seine Teenager-Tochter darüber, ob mit Gummi geblasen werden soll – die Auflösung zeigt, dass es hierbei nicht um Oralsex geht, sondern um das Benutzen eines Alkoholmessgerätes, das die Hauptfigur aus ungeklärten Gründen stets bei sich hat.

Solche Momente, die Lockerheit beweisen sollen und letztlich doch bloß verkrampft wirken, reihen sich in "Lucky Loser" aneinander und gipfeln in der ärgerlichen Figur Otto, dem afrodeutschen Freund der pubertierenden Tochter. Der Versuch, sich zugleich weltoffen zu geben und sich trotzdem dem Verdacht moralinsaurer politischer Korrektheit zu entziehen, geht vollkommen daneben – dieser Otto bleibt seelenlos und dient lediglich als Alibi für augenzwinkernde, nichtsdestotrotz ziemlich müde Flüchtlingsklischees und das mehrmalige Nennen des N-Worts.

Selbst der wie immer großartige Peter Trabner ("Dicke Mädchen", 2011) kann hier nicht viel retten. Das Drehbuch hält die Berlin-Mumblecore-Ikone und ihr Improvisationstalent anscheinend zu sehr im Zaum. So bleiben nur wenige Szenen wirklich im Gedächtnis und lassen erahnen, was hier möglich gewesen wäre.

Fazit: Nico Sommers "Lucky Loser" entpuppt sich als stromlinienförmige Dramödie ohne nennenswerte Überraschungen. Der Plot ist vorhersehbar, der Witz zahm und die Provokationen wirken unmotiviert – da kann selbst der großartige Hauptdarsteller Peter Trabner nicht mehr viel retten.





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