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Kritik: Bayern sagenhaft (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nach "Bavaria – Traumreise durch Bayern" aus dem Jahr 2012 begibt sich Regisseur Joseph Vilsmaier ("Herbstmilch") nun erneut auf einen dokumentarischen Ausflug durch seine Heimat Bayern. Er stellt die Schönheiten der Landschaft, der Städte, das Traditionsbewusstsein der Bewohner und ihre Lebenslust an ausgewählten Beispielen von Berchtesgaden über Lindau am Bodensee bis hinauf nach Würzburg heraus. Und er holt sich tatkräftige Unterstützung für seine filmische Hommage an die Heimat bei der Kabarettistin Monika Gruber, die als Sprecherin und als Darstellerin in kleinen Spielszenen fungiert, bei Hannes Burger, der die Texte schrieb und bei Hans-Jürgen Buchner von "Haindling", der für die Musik zuständig ist. Das Ergebnis kommt aber leider über die Aussagekraft eines lobhudelnden Werbefilms nicht hinaus.

Der gebürtige Münchner Vilsmaier schätzt an Bayern genau das, was die Touristen in den Freistaat zieht und was auch den Vertretern der Landesregierung Freude bereitet. Die thematische Mischung aus Kultur und Wirtschaft hält sich an das Etikett "Laptop und Lederhose", das der frühere Bundespräsident Roman Herzog einmal seiner Heimat verpasste. Das Münchner Oktoberfest und das Kaltenberger Ritterturnier dürfen nicht fehlen, ebenso wenig wie ein Besuch im katholischen Altötting. Nur selten findet sich an den vielen Stationen etwas weniger Bekanntes oder gar Skurriles, wie zum Beispiel das Ochsenrennen im oberbayerischen Münsing. Dass die Glasherstellung im Bayerischen Wald eine lange Tradition hat und die Medizin am Münchner Universitätsklinikum auf dem neuesten Stand der Technik ist, sind Allgemeinplätze. In den oft sehr kurzen Filmszenen kommt es offenbar weniger auf Information, als auf schöne Bilder und Schönredner-Kommentare an, die humorvoll sein dürfen, solange sie nur den Duktus der Lobpreisung beherzigen und nach bayerischer Lebensart klingen.

Die Bewohner Frankens und der Oberpfalz werden vermutlich wenig Freude an der Auswahl und Gewichtung der Filmszenen haben. So findet Vilsmaier Regensburg, Nürnberg, ebenso wie das schwäbische Augsburg kaum erwähnenswert, aber dafür sind die Raubkatzen des Münchner Circus Krone erstaunlich lange im Bild. Der Tonfall klingt oft angeberisch, selbst für die Tatsache, dass es in Deutschland 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft wieder ein paar Synagogen gibt, würde der Film Bayern offenbar gerne eine Heile-Welt-Urkunde überreichen.

Fazit: Joseph Vilsmaier preist in dieser dokumentarischen Hommage an seine Heimat Bayern das schöne Brauchtum, die wirtschaftliche Kraft des Landes und die humorvolle Mentalität der Menschen. Seine Motive findet der mit kleinen anekdotischen Spielszenen garnierte Film gerne im Voralpenland, auf Volksfesten oder im Anflug auf malerische Städte. Das oberflächlich-klischeehafte Abklappern sattsam bekannter Stationen wie dem Münchner Oktoberfest oder einem alpenländischen Böllerschießen wird mit peinlich lobhudelnden Kommentaren garniert.




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