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Meine glückliche Familie
Meine glückliche Familie
© Zorro Film © 24 Bilder

Kritik: Meine glückliche Familie (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die Regisseurin des Films, die 39-jährige Nana Ekvtimishvili, gilt als talentierteste Filmemacherin und Drehbuchautorin ihrer georgischen Heimat. Gemeinsam mit ihrem deutschen Partner, Simon Groß, realisierte sie "Meine glückliche Familie", nachdem beide bereits einige Jahre zuvor mit "In Bloom" für Furore sorgten. Der Film ging 2014 als georgischer Oscar-Beitrag für den "Besten Fremdsprachigen Film" an den Start. Seine Premiere feierte das Werk damals auf der Berlinale. Mit "Meine glückliche Familie", waren Ekvtimishvili und Groß erneut bei den internationalen Filmfestspielen in Berlin zu Gast.

Nur allzu gut kann man Mananas Entscheidung nachvollziehen, aus der viel zu engen Wohnung, in der schlechte Stimmung und genervte Personen allgegenwärtig sind, ausziehen zu wollen. Da ist die Tochter mit ihrem Freund, die meist knutschend auf der Couch herumliegen. Das ist der erwachsene Sohn, der den ganzen Tag an seinem Laptop hockt und den Dreck hinter sich nicht aufräumt. Da sind ihre Eltern: Der Vater, dem alles egal zu sein scheint und ihre Mutter, die sich vor allem über Mananas Sohn ständig ärgert und diesem Frust lautstark Luft macht. Und dann gibt es natürlich noch Mananas Mann Soso, der zwar ein guter Vater und kein Trinker ist aber Manana mit so viel Leidenschaft und Aufmerksamkeit begegnet wie ein Toter einem Lebenden. Und alle sind sie in einer viel zu kleinen Wohnung vereint.

Ausgerechnet an ihrem Geburtstag, offenbart Manana ihrer Familie ihren Entschluss, auszuziehen. Der Titel des Films ist die reine Ironie, denn alles andere als glücklich ist die Sippe, nachdem sie von Mananas Plänen erfahren haben. In den folgenden rund 100 Minuten lassen sie nichts unversucht, um ihre Mutter/Frau/Tochter wieder zurückzuholen. Das reicht von handgreiflichen Streitigkeiten mit der eigenen Mutter bis hin zu Besuchen vom Bruder, der seine Schwester regelrecht anfleht, die Familie doch nicht im Stich zu lassen. Doch genau das tut Manana (authentisch und ungemein intensiv von Ia Shuglashvili verkörpert) nicht: sie besucht ihre Lieben weiterhin, der Kontakt zu keinem in der Familie bricht ab, sie kümmert sich nach wie vor. Nur genehmigt sie sich jetzt etwas, was sie die letzten 30 Jahre sträflich vernachlässigt hat: Zeit für sich.

Von der Kamera in ruhigen Bildern eingefangen, zeigen die Szenen in ihrer neuen Wohnung eine selbstbewusste und in sich ruhende Frau, die die Ruhe genießt: beim Essen einer Torte, beim Gitarre spielen, beim Lesen und Hören klassischer Musik. Diese fast poetischen Momente völliger Zufriedenheit, stehen im krassen Kontrast zur Hektik, Enge und Lautstärke, die in der alten Wohnung vorherrschten. "Meine glückliche Familie" ist dabei auch das Porträt einer mutigen, starken Frau, die allen Widerständen zum Trotz ihr Ding durchzieht und von ihrem Recht auf ein erfülltes Leben, Gebrauch macht.

Und nicht zuletzt offenbart der Film ebenso die Rückständig- und Steinzeitlichkeit einiger konservativer Familienmitglieder sowie einer nach wie vor zu großen Teilen unzeitgemäßen Gesellschaft, die einem Einzelnen nicht das Recht auf Selbstbestimmung zugestehen will.

Fazit: Mit einem fabelhaften Cast und leisem Humor ausgestattetes Familiendrama, das verkrustete Gesellschaftsstrukturen offenlegt und für das Recht auf Selbstbestimmung einsteht – unabhängig von Alter und Geschlecht.





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