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Badland
Badland
© 2007 Badland Corporation.

Kritik: Badland (2007)


Der Vietnamkrieg forderte unter amerikanischen Soldaten mehr Opfer durch Selbstmord als durch Kampfhandlungen, bis heute leiden Veteranen unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD). Das Auftreten von Belastungsstörungen wurde auch im Golfkrieg beobachtet. Und auch unter Irakkrieg-Heimkehrern wurde bereits eine erhöhte Zahl von Morden und/oder Selbstmorden verzeichnet. Kein Wunder, dass Filme rund um unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidende Soldaten derzeit wieder gehäuft aus dem Boden sprießen.

"Badland", verfasst und inszeniert von Francesco Lucente ist eines jener Heimkehrerdramen - ein Film der verdeutlichen soll, wie sehr eine Kriegserfahrung das normale Leben, Freundschaften und Familienverhältnisse, beeinträchtigen können. Gedreht wurde bereits im Herbst 2005 mit einer internationalen Crew. Dass der Film so lange brauchte um in die Kinos zu kommen (auch in den USA lief er erst Ende des vergangenen Jahres an) mag mehrere Gründe haben: Da ist zum einen natürlich der nur sehr langsam abflauende Extrem-Patriotismus in den USA, der massive allergische Reaktionen auf jede noch so kleine Kriegskritik produzierte und die Erfolgsaussichten von Anti-Kriegsdramen doch ziemlich minimierte; zum anderen dürfte aber auch der Film selbst mit einigen seiner Eigenheiten den Elan der Verleiher etwas gedämpft haben.

Sicherlich nicht zu unterschätzende Minuspunkte sind etwa die enorme Überlänge und das insgesamt recht ziemlich langsame Erzähltempo des Films. Man braucht schon stabiles Sitzfleisch und einige Geduld um die rund 3 nur mäßig ereignisreichen Stunden von "Badland" zu überstehen – wobei man "Badland" allerdings zu Gute halten muss, dass ein so hohes Tempo wie man es sich im Normalfall wünschen würde, in diesem Fall vermutlich auch nicht so richtig gut gepasst hätte – ein wenig drückende Langsamkeit gehört bei dem Genre durchaus dazu.

Daneben finden sich einige kleinere Patzer im Drehbuch, zum Beispiel die Weigerung Hintergründe und Erklärungen zu Jerrrys Einsatz im Irak zu liefern, oder auch der eindimensionale Charakter von Jerrys Ehefrau, die eine dermaßen unsympathisch-keifende Motzkanone ist, dass der als Erklärung für den Mord herangezogene Einsatz im Irakkrieg gar nicht nötig ist – auch ohne nähere Begründung ließe sich nachvollziehen, dass Jerry dieses mitleidlose, betrügerische und beleidigende Biest über den Haufen schießt.

Ein Pluspunkt ist hingegen die Besetzung: Der Brite Jamie Draven hat als Jerry zwar nur unwesentlich mehr zu tun, als mehr oder minder leeren Blickes durch die Gegend zu starren – das aber hat man sicherlich auch schon schlechter gesehen, strahlt Draven dabei doch zumindest genau die nötige Mischung aus Aggressivität und Verletzlichkeit aus.
Ein noch größerer Glücksgriff ist Grace Fulton als Jerrys in eine Art Schreckstarre und Realitätsverweigerung fallende Tochter Celina. Ihre Sache gut machen daneben auch Joe Morton als ebenfalls Kriegsgeschädigter Sheriff und Chandra West als liebenswerte Cafébesitzerin.

Positiv zu verbuchen ist schließlich auch die Arbeit von Kameramann Carlo Varini, der mit seinen Bildern den Gemütszustand Jerrys widerspiegelt: Nur in seltenen Fällen (etwa beim Mord an Frau und Kindern) aufgewühlt zitternd, ansonsten aber weitgehend starr. Dazu kalte Farben, Düsternis, und ein klar aufgebauter Gegensatz zwischen der Enge des Familienlebens im Camper und der offenen Weite der Natur während der Flucht. Eine Kameraarbeit also der man durchaus ansieht, dass sich da jemand was gedacht, und nicht einfach nur die Kamera draufgehalten, hat.

Zu guter Letzt sei auch noch erwähnt dass das Ende mit einem wirklichen Kracher (durchaus im Wortsinn) aufwartet, was bedeutet: Es ist ziemlich fies.

Fazit: Dank der Hauptdarsteller und schöner Kameraarbeit eher gutes, wenn auch weitgehend ereignisarmes Anti-Kriegsdrama, dass allerdings wegen kräftiger Überlänge gutes Sitzfleisch verlangt.




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