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Papa Moll und die Schokoladenfabrik
Papa Moll und die Schokoladenfabrik
© 24 Bilder © polyband

Kritik: Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Auf den ersten Blick scheint bei "Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes" alles beim Alten. Denn auch dieser deutschsprachige Familienfilm entwickelt keinen originären Stoff, sondern greift auf eine etablierte Vorlage zurück, die sich längst zu einer Marke entwickelt hat. Doch Manuel Flurin Hendrys Verfilmung von Edith Oppenheim-Jonas' Comicstrip erweist sich auf den zweiten Blick schnell als Glücksgriff.

Während andere Reihen wie "Fünf Freunde", "Hanni und Nanni" oder "Burg Schreckenstein" ihre Vorlagen erfolgreich in die Gegenwart versetzen, dabei aber nicht gerade selten altbackener als diese wirken, packt Hendry sein Ausgangsmaterial originalgetreu an. Eine Jahreszahl nennt der Film zwar nicht. Was Architektur, Kleidung und Fahrzeuge anbelangt, erinnern das idyllische Örtchen Murmlikon und dessen Bewohner aber klar an die 1950er und somit das Geburtsjahrzehnt des Comicstrips.

Gemeinsam mit seinen Koautoren Jann Preuss und Matthias Pacht, der schon Ödön von Horvaths "Jugend ohne Gott" und Otfried Preußlers "Die kleine Hexe" fürs Kino adaptierte, erzählt Hendry seine Geschichte so flott und zeitlos, dass es nicht ins Gewicht fällt, ob die Kinder Smartphones in der Tasche und das Internet im Kopf haben. Der Stress in der Schule und auf der Arbeit, die Streiche und das Chaos zu Hause sind dieselben wie heute. Für seine Mischung aus doppelter Rettungsaktion und Schabernack hat Hendry zudem die perfekte Mischung aus Alt- und Jungschauspielern gefunden.

Der Schweizer Regisseur, der bislang vornehmlich für Krimiformate wie "SOKO" oder "Tatort" verantwortlich zeichnete, geht mit einem Stilwillen, einer Detailverliebtheit und Verspieltheit zu Werke, die selten geworden ist und die sich durchaus mit internationalen Produktionen messen kann. Das fängt bei Kostümen und Ausstattung an, die sich je nach Handlungsort klar in ihrer Farbgebung unterscheiden. Während zu Hause bei den Molls Blau- und Rottöne dominieren, sind es in der Fabrik blaue und kupferfarbene Elemente, im Zirkus rote und gelbe.

Dieser Kniff klingt banal, entfaltet aber eine enorme visuelle Wirkung, die Hendry mit den von Kameramann Felix Novo de Oliveira wunderbar ausgeleuchteten, tiefenscharf eingefangenen Sets, originellen Stunts und verspielten Splitscreens kombiniert. Das macht "Papa Moll" zu einem Kinderfilm, der sich im wahrsten Sinn sehen lassen kann.

Fazit: Mit "Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes" empfiehlt sich der vornehmlich für das Fernsehen tätige Manuel Flurin Hendry für weitere Kinofilme. Seine Comicadaption ist flott erzählt, wunderbar besetzt und so schön und originell ausgestattet und fotografiert, wie man es selten im deutschsprachigen Kinderfilm sieht.




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