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Voll verschleiert!
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Kritik: Voll verschleiert! (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Sou Abadi beginnt dramatisch: Ein arabischer Mann kehrt radikalisiert aus dem Jemen nach Paris zurück und will mit aller Macht das Leben seiner Geschwister bestimmen. Die Schwester sperrt er ein, den jüngeren Bruder will er in den Jemen schicken. Bereits in den ersten Szenen von "Voll verschleiert" werden dabei eine ganze Menge Konflikte thematisiert: Islamismus, Klassenunterschiede, Gleichberechtigung – doch überraschend schnell lässt Abadi diese heißen Eisen fallen und inszeniert stattdessen eine harmlose Rollentauschkomödie nach Schema F.

Dank einiger gelungener Pointen, flottem Slapstick und einem gut aufgelegten Félix Moati in der Hauptrolle hat der Film durchaus seinen Charme. Angenehm ist auch, dass Abadi hier nicht einfach das bürgerlich-liberale Frankreich und muslimischen Extremismus aufeinanderprallen lässt, sondern ihre Milieus zwar überspitzt, aber zugleich facettenreich schildert.

Bei allem Spaß, den man mit "Voll verschleiert" haben kann, macht sich dennoch der Eindruck breit, dass hier viel Potenzial verschenkt wurde. Die Konflikte bleiben oberflächlich, das Tempo könnte manches Mal turbulenter sein und vor allem die Figurenzeichnung schwächelt deutlich. Viele der zahlreichen Nebenfiguren bleiben austauschbar, es ist aber insbesondere die Entwicklung des radikalisierten Mahmoud, die unglaubwürdig wirkt: Die Gefahr, die anfangs von dem von William Lebghil verkörperten Extremisten ausgeht, verpufft plötzlich und mit ihr auch ein Großteil der Spannung. Mahmoud wird schnell zu einer lächerlichen Karikatur, deren Läuterung ebenfalls völlig unmotiviert erscheint.

Fazit: Sou Abadis Spielfilmdebüt verfügt zwar über Charme und einige gelungene Pointen, enttäuscht aber im Großen und Ganzen. "Voll verschleiert" bietet lediglich harmlosen Slapstick und schwächelt insbesondere bei Tempo und Figurenzeichung.




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