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FBW-Bewertung: Astrid (2018)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Am 14. November 1987 feiert Astrid Lindgren ihren 80. Geburtstag. Wie in jedem Jahr erreichen die bekannteste Schriftstellerin Schwedens Säcke voller Post von Kindern aus ihrer Heimat und aller Welt. Darunter die Audiokassette einer vierten Klasse, die Lindgren nach ihren Wurzeln fragt. Diese Frage gibt dem Porträt die dramaturgische Klammer, die Zeichnungen und Briefe der Kinder erinnern im Laufe des Films immer wieder an ihre beliebten Kinderbücher.
?Unga Astrid? ? die ?junge Astrid? ? so der Originaltitel ? folgt dem Leben von Astrid Ericsson vom 16. bis ca. 24. Lebensjahr, in denen sie die entscheidenden Weichen im Leben stellt. Sie musste springen, wie es im Schlusslied heißt, um ihren Platz zu finden. In der Hauptrolle besetzte die dänische Regisseurin, die das Buch mit ihrem Mann, dem bekannten Kinderbuchautor Kim Fupz Aakeson, schrieb, die Newcomerin Alba August. Sie gibt der lebenslustigen, ein wenig verrückten Astrid auf dem steinigen Weg zur Emanzipation ein überzeugendes Gesicht.
Lindgren stammt aus Vimmerby in Småland, die Eltern leben als Bauern in einer protestantischen Gemeinde. Die gesellschaftlichen Regeln der stockkonservativen Gemeinde sind klar, aber die Eltern sind nicht engstirnig. Sie erkennen und fördern das Schreibtalent der Tochter, der sie ein Volontariat bei der örtlichen Zeitung ermöglichen. Später wird die Mutter Astrid ermutigen, nicht in eine Ehe zu schlittern, weil sie Mutter geworden ist. Durch diese Erfahrungen, das verdeutlicht der Film, werden die Familie und ihr Zusammenhalt für Lindgren stets das Wichtigste im Leben bleiben.
Astrid wird von ihrem Arbeitgeber schwanger. Auch bei der Schilderung dieser Beziehung gelingt es der Regisseurin, Astrid nicht zum Opfer zu machen und dem Mann die Würde zu lassen. Astrid erkennt, dass sie in der Beziehung in der Provinz keine Erfüllung finden wird. Der Preis dafür ist hoch. Ihren Sohn gebiert sie in Dänemark, wo er die ersten Jahre bei einer Pflegemutter aufwächst.
Der Ton des Films ist extrem sentimental, trägt aber nie zu dick auf und wirkt niemals verlogen, weil die Regisseurin andererseits die Rauheit bestimmter Situationen in keinster Weise leugnet oder die Gefühle von Ericsson beschönigt. Diese Balance führt dazu, dass der Zuschauer mit seinen eigenen Gefühlen kämpft und bewegt das Kino verlässt.



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