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Return of the Atom
Return of the Atom
© Real Fiction

Kritik: Return of the Atom (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Mika Taanila und Jussi Eerola hat viel mit einem finnischen Spielfilm gemeinsam. Er weiß sein trockenes Thema mit lakonischer Ruhe, aber auch mit Humor zu präsentieren. Die Langzeitbeobachtung auf der Baustelle eines Kernkraftwerks in der Kleinstadt Eurajoki stellt sich als spannend heraus, denn sie offenbart exemplarisch, wie sehr sich die versprochenen Ziele und die Realität bei einem solchen Großprojekt auseinanderentwickeln können. Ob der neue Reaktor, wie der französische Projektleiter 2007 schwärmt, eine positive Signalwirkung für die Atomindustrie haben kann, ist nicht nur wegen der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 längst fraglich. Während der gesamten Dreharbeiten zeigt sich jedoch der enorme Standortvorteil der Kleinstadt Eurajoki, aus der Finnland ein Fünftel seiner Energie bezieht, für die Atomindustrie: In der Bevölkerung, die der Projektleiter als vernünftig und besonnen lobt, gibt es kaum Atomkraftgegner.

So versucht der Film, der eher indirekt Position gegen die Kernkraft bezieht, auch zu ergründen, weshalb die Menschen in Eurajoki so anders denken als im übrigen Westeuropa. Viele arbeiten in der Branche, der Energiekonzern investiert in die örtliche Eissporthalle. Schon vor vielen Jahren musste eine Frau, die gegen die beiden Atomreaktoren protestierte, wegziehen, weil sie von den Einwohnern gemobbt wurde. Aber auch jetzt gibt es einen Unruhestifter, der unermüdlich Fragen stellt, welche die Reaktorbetreiber aber meistens nicht beantworten. Es wird immer wieder deutlich, wie wenig transparent die ganzen Planungen und Arbeitsprozesse ablaufen. Die Dramaturgie entpuppt sich als humorvoll, wenn den von Unternehmerseite angepriesenen Zielen beispielsweise die Aussagen eines Arbeiter über Pfusch am Bau gegenübergestellt werden.

Kameramann Jussi Eerola lässt die gewaltigen Dimensionen der Baustelle eindrucksvoll zur Geltung kommen. Oft betrachtet die Kamera nachts das Geschehen bei künstlicher Beleuchtung. Im Zeitraffer wuseln die Arbeiter herum und die Kräne bewegen ihre Arme vor wechselndem Himmelslicht. Die Filmmusik besteht aus futuristisch-unheimlich klingenden Klängen, die beispielsweise das Sirren und Knistern von Radioaktivitätsmessungen imitiert und verfremdet. Insgesamt ist "Return of the Atom" ein sehr interessanter und auch unterhaltsamer Film, der exemplarisch aufzeigt, warum die Kerntechnik so problematisch ist.

Fazit: Der Dokumentarfilm über den jahrelangen Bau eines Kernkraftwerks in Finnland stellt auf spannende Weise dem anfänglichen unternehmerischen Optimismus die Realität gegenüber. Im Laufe der Langzeitbeobachtung häufen sich nämlich bauliche Verzögerungen und Probleme. Nur der Standortvorteil, den eine der Kernkraft gegenüber neutral bis positiv eingestellte Bevölkerung bietet, erweist sich als solide. Mit imposanten Aufnahmen vom Bau, dezentem Humor und finnischer Lakonie gerät dieses filmische Lehrstück über die hochproblematische Kerntechnik sehr unterhaltsam.





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