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Kritik: Drachenreiter (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Drachenreiter" basiert auf Cornelia Funkes Buch desselben Titels, das in Deutschland 1997 veröffentlicht wurde. Mitte der 00er-Jahre veröffentlichte der Verlag den Fantasy-Roman auch in den USA – mit durchschlagendem Erfolg. "Drachenreiter" landete auf Platz eins diverser Besten- sowie Beststeller-Listen und entwickelte sich zum Verkaufsschlager. Ursprünglich sollte der Film bereits im Frühjahr starten, aufgrund diverser Verschiebungen (u.a. zuletzt aufgrund von Corona) kommt er erst jetzt in die Kinos.

Schon das Filmplakat von "Drachenreiter" ist in Sachen Stil und Ästhetik klar angelehnt an das große Vorbild: die "Drachenzähmen"-Reihe, deren drei Filme allesamt Kassenhits waren und gute bis sehr gute Kritiken erhielten. "Drachenreiter" muss sich von der ersten bis zur letzten Minute mit "Drachenzähmen" messen lassen: Zu ähnlich sind der locker-leichte Tonfall, die optische Umsetzung, die heitere Situationskomik. Dem Vergleich hält "Drachenreiter" nicht ganz stand, was vor allem an der überraschungsarmen Story und den teils nervtötenden, wenig sympathischen Hauptfiguren liegt.

Da wäre etwa ein viel zu plakativ und oberflächlich gezeichneter, proletenhaft auftretender Zwergen-Sidekick von Oberbösewicht Nesselband. Oder der verwaiste Straßenjunge Ben, der sich als fragwürdiger Charakter erweist. Als klauender, sich stets in den Mittelpunkt rückender Protagonist eignet er sich für das junge Publikum als Identifikationsfigur nur bedingt. Enervierend sind zudem dessen ständigen Kabbeleien mit Schwefelfell.

Kreativität und Phantasie aber beweisen die Macher bei der Ausgestaltung des illustren (Neben-) Charakterenkabinetts: Künstlich erzeugte Menschen, Fabelwesen aller Art, Zwerge, Drachen, Kobolde. Sie alle bevölkern die phantastische, detailreich aufbereitete Welt, wodurch selten Langeweile aufkommt. Erwartbar und generisch gestalten sich die Botschaften des Films. Es geht um freundschaftlichen Zusammenhalt, den nachhaltigen Umgang mit der Natur und der Umwelt sowie den Mut, über sich selbst hinauszuwachsen.

Fazit: Inhaltlich und inszenatorisch wenig origineller, überraschungsarmer Animationsfilm, der zu sehr auf Nummer sicher geht. Die schrulligen Nebenfiguren und die detailreichen, magisch-mystischen Schauplätze sowie Handlungsorte aber sind gut gelungen und gleichen die Schwächen aus.




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