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Leaning into the Wind - Andy Goldsworthy
Leaning into the Wind - Andy Goldsworthy
© Piffl Medien

Kritik: Leaning into the Wind - Andy Goldsworthy (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der deutsche Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer hat den britischen Land-Art-Künstler Andy Goldsworthy bereits 2001 in "Rivers and Tides" porträtiert. Nun schaut er ihm beim Arbeiten ein zweites Mal über die Schulter und lässt ihn erklären, was ihn zu seinen oft sehr vergänglichen Kunstwerken aus Naturmaterialien inspiriert. Der mittlerweile 61-jährige Künstler findet nicht nur auf der britischen Insel Motive, die ihn faszinieren, sondern auch in fernen Ländern. Seine Kunstwerke werden in der Regel Teil der Landschaft an entlegenen Orten, wie ein witziger persönlicher Stempel oder ein Dialog mit dem Vorgefundenen.

Brasilien, Schottland, England, Spanien, New England in den USA, Südfrankreich, Gabun – jede Landschaft, die der Naturliebhaber Goldsworthy durchstreift und für sich entdeckt, übt auf ihn eine besondere Magie aus. War es früher für die Bauern hier hart, dem Boden etwas abzutrotzen? Wie wirkt eine alte Steinmauer, die früher bewirtschaftete Felder trennte, heute mitten im Wald, der sich das Terrain erobert hat? Was lässt sich mit einer alten Ulme anstellen, die umkippte und nun quer über einem Bach liegt, bis ihr Holz vollständig verrottet? Der weißhaarige Mann hat überall Ideen, die unglaublich verspielt und auch lustig wirken. Mal benötigt er für ein aufwändiges Werk einen Tross von Arbeitern, mal gibt er sich ganz allein der Magie eines Moments hin und pustet gelbe Blätter aus seinem Mund in die Luft. Dann ist die Handlung selbst das Kunstwerk.

Niemand außer Goldsworthy selbst gibt in diesem Film Auskunft über seine Arbeitsweise und Sicht der Dinge. So sagt er beispielsweise, dass er seinen künstlerischen Ansatz nicht an der Kunsthochschule entwickelte, sondern erste Anregungen bei der Arbeit auf dem Bauernhof fand. Einmal liebäugelt er damit, seine Spuren in festes Gestein, anstatt wie sonst nur in Treibgut oder Fundstücke einzugravieren, aber dann kommt ihm das doch wie ein Sakrileg vor.

Die fertigen Kunstwerke, die sich wie verdichtete, verfremdete Symbole des landschaftlichen Charakters oder wie kleine Geschenke an die Natur vor Ort ausnehmen, bedürfen keiner Erklärung. Denn sie verblüffen mit ihrer Schönheit und scheinen keinen besonderen Zweck zu verfolgen. Die Musikbegleitung von Fred Frith spiegelt den experimentellen Charakter dieser Kunst passend. Riedelsheimers Film offenbart dem Publikum sehr sinnlich den Erlebnis- und Überraschungscharakter von Goldsworthys Werken.

Fazit: Zum zweiten Mal schaut der Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer dem britischen Land-Art-Künstler Andy Goldsworthy beim Arbeiten über die Schulter und hält seine oft rasch vergänglichen Werke mit der Kamera fest. Mit seinen Objekten aus Naturmaterialien oder indem er sich als Performer einbringt, der mit den Elementen spielt, tritt der Künstler in einen Dialog mit ganz unterschiedlichen Landschaften. Riedelsheimer lässt mit seinem schönen Film den Funken der Faszination für Goldsworthys verblüffende und oft auch schalkhafte Werke auf das Publikum überspringen.





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