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Mein Leben: Ein Tanz
Mein Leben: Ein Tanz
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Kritik: Mein Leben: Ein Tanz (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die, die sehr viel weiß, heißt La Chana übersetzt. Antonia Santiago Amador wählte sich diesen Künstlernamen in Anlehnung an ihren Onkel, der El Chano genannt wurde. Er hatte ihr tänzerisches Talent entdeckt und sie bei ihren ersten Auftritten als junges Mädchen zur Gitarre begleitet. Alles, was La Chana über den Flamenco weiß, hat sie sich selbst beigebracht. Die Rhythmen, die sie unglaublich schnell und virtuos mit den Schuhen auf den Boden klappert, folgen einer improvisierten Choreografie. Bei ihren Auftritten lässt La Chana, wie sie selbst sagt, ihre Seele sprechen, als junge Frau tanzte sie sich in Ekstase und bis an den Rand der Erschöpfung. Denn nur beim Tanzen fühlte sie sich frei. Für den Dokumentarfilm von Lucija Stojevic blickt die Tänzerin auf ihr bewegtes Leben zurück, bevor sie sich auf einen neuen Bühnenauftritt vorbereitet.

Stojevic besucht die alte Dame in ihrem Haus und lauscht ihren Erzählungen, in denen immer wieder die nie erloschene Leidenschaft für den Flamencotanz aufflammt. Sie tanzt die Rhythmen schneller als andere, sie erfindet sie zum Teil neu und verkörpert sie buchstäblich. So wird der Flamenco zum Ausdruck ihrer Lebendigkeit und Kreativität. In einer Szene unterweist sie eine Tänzerin, die sich bemüht, ihre Schritte nachzumachen und doch zugeben muss, dass La Chanas Stil der jungen Tänzerinnen-Generation Rätsel aufgibt. Auch heute ist La Chana ein lebhafter, fröhlicher Mensch voller Energie. Aber erst die vielen Archivaufnahmen ihrer früheren Auftritte, die Stojevic dazwischen schneidet, belegen die ganze Wahrheit ihrer Worte. Man bekommt dann nämlich selbst zu sehen, wie die berühmte La Chana auf den Bühnen, vor den Fernsehkameras, ihre Staccato-Rhythmen kontrolliert, aber mit steigender Intensität vollführt und ein getanztes Drama veranstaltet. In diesem bringt sie regelmäßig die ganze wilde Schönheit des Flamenco zur Vollendung, diese auf den kleinen Raum der Trippelschritte heruntergebrochene Ausdruckskraft, die nach einer eigenen Form sucht, um mit Macht hervorzubrechen.

Die Flamenco-Rhythmen geben auch den Takt für wunderbare Montagesequenzen vor, in denen Fotos, Zeitungsausschnitte in dichter Folge die Fülle dieses künstlerisches Lebens aufscheinen lassen. Stojevic erweist sich als talentierte Filmemacherin, die die Zuschauer immer tiefer und intensiver in das Thema hineinführt. Das Porträt La Chanas bekommt nach und nach Farbe und Strahlkraft, die Kunst dieser Tänzerin erweckt beim Publikum zunehmend Begeisterung.

Fazit: Lucija Stojevics Porträt der legendären Flamencotänzerin La Chana entwickelt eine ähnliche, langsam aufgebaute und dann entfesselte Intensität wie die Rhythmen dieser Tanzkunst selbst. Die Persönlichkeit der Protagonistin und die kulturelle und künstlerische Ausdruckskraft ihrer Tänze erscheinen auf organische Weise miteinander verwoben. La Chanas Flamenco-Leidenschaft springt in diesem gelungenen Dokumentarfilm auf das Publikum über.





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