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Die Lebenden reparieren
Die Lebenden reparieren
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Die Lebenden reparieren (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Die Lebenden reparieren" ist nach "Ein starkes Gift" (2010) und "Die unerschütterliche Liebe der Suzanne" (2013) die dritte Langfilm-Regiearbeit der in Abidjan geborenen Katell Quillévéré. Zusammen mit Gilles Taurand adaptierte sie den gleichnamigen, vielfach preisgekrönten Roman von Maylis De Kerangal – und schuf ein überaus empathisch erzähltes und berückend in Szene gesetztes Werk über ein sehr schwieriges Sujet.

Die Geschichte befasst sich mit dem Thema Organspende – wie Angehörige von Verstorbenen mit der Frage, ob eine Transplantation durchgeführt werden soll, konfrontiert werden, wie Erkrankte und deren Umfeld auf ein rettendes Spenderorgan warten, wie der Prozess koordiniert und das Organ schließlich entnommen, transportiert und implantiert wird. Dabei gelingt Quillévéré die Mischung aus dramatischen und dokumentarisch anmutenden Momenten. Die Passagen im OP-Saal sowie die Situationen, die sich dem von Personalmangel geprägten Krankenhausalltag widmen, wirken authentisch; darüber hinaus findet die Ko-Drehbuchautorin und Regisseurin aber auch immer wieder die Zeit und den Raum für Poetisches, indem sie zeigt, wonach die Figuren sich sehnen. Mit ihrem Kameramann Tom Harari, mit welchem Quillévéré schon ihre beiden Vorgängerfilme realisierte, lässt sie großartige Bilder entstehen, die durch Alexandre Desplats elegische Musik stimmig untermalt werden. Bereits die Einstiegssequenz ist eine Wucht – wenn der junge Simon aus dem Zimmerfenster seiner Freundin Juliette ins Dunkel der Nacht und direkt auf sein Fahrrad springt, einem Kumpel auf dem Skateboard begegnet und alsbald zu einem weiteren Freund in den Lieferwagen steigt, um sich auf dem Surfbrett in die Wellen des Meeres zu werfen. Ebenso ist die erste Begegnung zwischen Simon und Juliette, die in einer Rückblende eingefangen wird, voller Zauber.

Nicht minder beeindruckend ist das Schauspiel. Emmanuelle Seigner ("Frantic") liefert als Mutter, die ihren Sohn verliert, eine ergreifende Leistung – gerade weil sie eher still und zurückgenommen, niemals überzogen agiert. Tahar Rahim ("Ein Prophet") bildet als Koordinator des Vorgangs das mitfühlende Zentrum – und auch Anne Dorval ("I Killed My Mother"), deren Rolle als Empfängerin des Spenderorgans im Vergleich zum Roman mehr Hintergrund erhalten hat, kann mit ihrer Darbietung bis zur lebensbejahenden Schlusseinstellung des Films vollauf überzeugen. Zudem ist "Die Lebenden reparieren" bis in die Nebenparts hinein – etwa mit Monia Chokri ("Herzensbrecher") oder Alice Taglioni ("Paris-Manhattan") – sehr gut besetzt.

Fazit: Ein Film, der die Tragik und die Schönheit des Lebens würdevoll zusammenbringt – in einer virtuosen Bildsprache und unterstützt von einem erstklassigen Ensemble.





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