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FBW-Bewertung: Detroit (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Dieser Film fesselt und macht zornig. In ihm wird zwar vom Amerika des Jahres 1967 erzählt, aber er ist politisch so aktuell wie nur wenige andere. Im Sommer 1967 kam es in amerikanischen Großstädten, vor allem in Detroit, zu Aufständen der afroamerikanischen Bewohner der Innenstädte, die sich im Laufe der Jahre immer mehr in Ghettos verwandelt haben. Zum Anfang des Films gibt Bigelow die Informationen, die nötig sind, um die Situation einzuschätzen, im Stil eines kleinen Animationsfilms. Dann zeigt sie, wie die Rebellionen in Detroit begannen, wie sich die Gewalt immer mehr ausweitet, wie die Polizisten unvorbereitet auf diese Krise sind und durch ihr Verhalten die Wutder Aufständischen anstacheln. Dass dieser Panoramablick auch eine Exposition der Hauptakteure auf beiden Seiten liefert, wird erst später im Film deutlich. Denn langsam fokussiert Bigelow auf einzelne Figuren. Darunter zwei Afroamerikaner, die darauf hoffen, dass ihre Soulband bei einem Konzert entdeckt wird und drei weiße Polizisten, die von ihren Vorurteilen geleitet bei ihrem Einsatz immer unberechenbarer werden. Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal gehen hier von einer wahren Geschichte aus, bei der die Gäste eines Hotels, von dem die Polizei glaubte, dass Schüsse auf sie daraus abgefeuert wurden, gefangen gehalten und brutal verhört wurden. Dabei gab es auch Tote. Wie es in der klaustrophobischen Enge des Hotels zu diesen Exzessen kommt, wie die Polizisten es offensichtlich genießen, dass all diese Menschen ihnen schutzlos ausgeliefert sind, wie die Angst ihrer Gefangenenimmer mehr zunimmt und wie unterschiedlich sie dann auf diesen Druck reagieren (was zu einer Frage von Leben oder Tod wird) das zeigt der Film mit einer kompromisslosen Wucht, die oft schwer zu ertragen ist. Bigelow erzählt diese Geschichte zugleich spannend und hoch komplex. Es gelingt ihr, durchihre realistische, sehr authentisch wirkende Inszenierung die Geschichte intensiv lebendig werden zu lassen. Dazu nutzt sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel (Kamera, das Casting der Darsteller, Ausstattung, Musik, Schnitt) mit einer Meisterschaft, die ihre Virtuosität nicht ausstellen muss. Alles dient dazu, die Geschichte so gut und wahrhaftig wie möglich zu erzählen, und dies gelingt grandios.




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