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Todo sobre el Asado - So grillt man bei uns in Argentinien
Todo sobre el Asado - So grillt man bei uns in Argentinien
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Asado, mein Lieblingsgericht aus Argentinien (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Was den Deutschen ihr Bier, ist den Argentiniern ihr Rindfleisch. Kein Anlass ist zu feierlich oder belanglos, um nicht den Grill anzufeuern. "Es gibt immer eine gute Ausrede für ein Asado", kommentiert der Erzähler aus dem Off. Er heißt Carlos Alberto Álvarez, besser bekannt als "El Negro", und ist Komiker. In Mariano Cohns und Gastón Duprats Trip durch das argentinische Grill-Universum hat er die Rolle des rotzfrechen Reiseleiters übernommen.

Álvarez' Scharfzüngigkeit setzt einen gelungenen Kontrast zum Ernst, mit dem die Grillmeister ihre hochheilige Tradition angehen. Gleich zu Beginn überschlägt er ironisch seinen bisherigen Konsum. 1,5 Tonnen Fleisch habe er in seinem Leben wohl schon verputzt. Sagt's mit einem Lächeln, steigt in seinen frisch polierten Wagen und fährt los.

Wie der Originaltitel "Todo sobre el Asado" verspricht, erfährt das Publikum während dieser dokumentarischen Reise wirklich alles über das Grillen – von den verarbeiteten Stücken einer Kuh über die drei Zubereitungsmethoden bis zur einzig wahren Garstufe: blutig. Es wird im Garten, am Straßenrand, auf Baustellen und Wettbewerben gebrutzelt, die Tradition in Liedern besungen und hitzig über das Herkunftsland des Grillens diskutiert. Und wie das so ist mit hochheiligen Dingen, weiß es natürlich jeder besser als der andere.

Álvarez' Weg führt von Rinderzüchtern und Metzgern über Restaurantbesitzer bis zu einem Fleischsommelier. Ein Architekt erklärt den perfekten Grill, ein Kardiologe die lebensgefährlichen "Feiertagsherzen", eine Zahnärztin üblen Mundgeruch, eine Philosophin den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und der Sexualisierung der Frau und ein Anthropologe die homoerotischen Aspekte der stets männlichen Grillzirkel.

Das Regieduo Mariano Cohn und Gastón Duprat war in Deutschland zuletzt mit "Der Nobelpreisträger" (2017) in den Kinos und bewies auch hier eine ausgewogene Mischung aus Komik und Tragik. Denn so ordentlich sie all die selbst erklärten Grillexperten durch den Kakao ziehen und so viele kritische Gegenstimmen sie zu Wort kommen lassen, schwingt immer auch der Respekt vor Argentiniens liebstem Nahrungsmittel mit. Dank der ironischen Distanz ist dieser Reise durch die Rindfleisch-Welt saukomisch.

Fazit: Mariano Cohns und Gastón Duprats Dokumentarfilm ist ein saukomischer Roadtrip durch das Rindfleisch-Universum. Das Regieduo nimmt Argentiniens liebste Speise mit ironischer Distanz in den Blick. Nicht nur für Karnivoren äußerst unterhaltsam.




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