VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
So war mein Großvater Salvador Allende
So war mein Großvater Salvador Allende
© Cine Global Filmverleih

Kritik: Mein Großvater Salvador Allende (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die chilenisch-mexikanische Co-Produktion rückt Leben und politisches Wirken von Salvador Allende in den Mittelpunkt. Und das aus Sicht seiner Enkelin, der Regisseurin und Drehbuchautorin Marcia Tambutti Allende, die bei Allendes Tod noch ein kleines Mädchen war. Allende wird heute in seiner Heimat als revolutionäre Ikone verehrt. Eine Statue von ihm befindet sich heute neben dem Präsidentenpalast La Moneda. Während er selbst den Putsch nicht überlebte, gelang es seiner Familie, sich ins Exil zu retten. "Mein Großvater Salvador Allende" erlebte im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes 2015 seine internationale Premiere.

Gebannt folgt man in dieser sehr persönlichen, intimen filmischen Annäherung an einen großen Politiker, dem Weg von Marcia Tambutti Allende. Es ist ein Weg, der sie zur Persönlichkeit ihres Großvaters führen soll, zu seinem Wesen. Wer war Salvador Allende? Wie verhielt er sich privat, abseits der großen Politik? Und wie sehen die anderen Familienmitglieder den 1973 verstorbenen Politiker und Arzt? Diese und noch mehr Fragen versucht Allende in ihrem Film zu beantworten.

Bei ihren Recherchen und den vielen Gesprächen mit ihren Verwandten und nächsten Angehörigen wird schnell klar, dass Allende ein eher verschlossener, komplizierter Charakter war. Ein Mann, der schwer Gefühle zeigen konnte und nur selten andere nah an sich heranließ. Einer der Interviewten sagt, dass nach seinem Tod innerhalb der Familie nur wenig über die persönlichen Beziehungen zu ihm gesprochen wurde. Über seine Politik und sein politisches Wirken durchaus, nicht aber über Dinge wie Gefühle, Persönliches, Intimes. Das ist bezeichnend für eine Familie, in der Allendes tragisches Ende bis heute wie ein Schatten über den persönlichen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern zu liegen scheint.

In einer Szene zeigt eine Verwandte der Regisseurin ein altes privates Foto von Allende mit persönlicher Widmung. Bis heute weiß keiner in der Familie von der Existenz dieses Bildes. Die Tatsache, dass die Privatperson Allende so schwer greifbar ist, macht es für Marcia Tambutti Allende und den Zuschauer nicht immer ganz einfach, dem Wesen des Politikers näherzukommen. Aber spannend ist es dennoch, der sympathischen Regisseurin bei ihren Familien-internen Recherchen über die Schulter zu schauen. Dabei entstehen auch sehr bewegende Momente, etwa wenn sie mit ihrer fast 95 Jahre alten Oma (Salvador Allendes Schwester) auf dem Bett liegt und diese – vorsichtig und behutsam – über ihren Bruder befragt.

Toll sind die vielen, bisher unveröffentlichten Fotos und privaten Super-8-Aufnahmen aus dem Familienarchiv, die nicht nur den Staatsmann sondern eben auch die Privatperson Allende im Kreise seiner Liebsten zeigen. Historisch bedeutend sind zudem die Videoaufnahmen die u.a. Allendes "verspätete" Beerdigung nach dem Ende der Militärdiktatur zeigen, nachdem dessen Leichnam 1990 nach Santiiago de Chile überführt worden war.

Fazit: Behutsame und sehr emotionale Annäherung an einen großen südamerikanischen Staatsmann, die mit vielen bewegenden Gesprächen, intimen Erinnerungen und seltenen Bewegtbild-Aufnahmen überzeugt.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.