VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze
Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze
© 24 Bilder

Kritik: Immer noch jung - 15 Jahre Killerpilze (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ganz am Ende bringt Gitarrist Max Schlichter das Gefühl der Killerpilze auf den Punkt. Sie seien immer noch jung, im Grunde fühle sich das alles wie ein Anfang an. Und es stimmt ja auch. Die Bandmitglieder sind noch keine 30 Jahre. In einem Alter, in dem andere Musiker gerade erst durchstarten, haben die Jungs aus der schwäbischen Provinz bereits eine ebenso steile wie kurze erste Laufbahn hinter sich. Wo andere Gruppen erst einmal mühevoll durch Dorfklubs und Jugendzentren tingeln, geht bei den Killerpilzen alles furchtbar schnell: vom Jugendzentrum zur Bravo Supershow, vom Kinderzimmer ins Fünfsternehotel. Die klassische Ochsentour steht bei ihnen erst nach dem Abstieg auf der Erfolgsleiter auf dem Spielplan. Ihr Weg ist auch eine Art spiegelverkehrter Karriereverlauf.

Dieses bewegte Auf und Ab der vergangenen 15 Jahre sieht stets ein wenig zu sehr wie ein zum Leben erwecktes Fotoalbum aus, was sicherlich an den Produktionsbedingungen liegt. Zum einen ist das Projekt durch Crowdfunding finanziert und zielt in erster Linie darauf ab, all die treuen Fans und Spender nicht zu enttäuschen. Zum anderen zeichnen mit David Schlichter und Fabian Halber zwei Regisseure verantwortlich, die direkt aus der Band beziehungsweise aus deren Umfeld kommen.

Diese Konstellation ist Fluch und Segen zugleich. Die Dokumentation ist dicht dran, zeigt eine Unmenge (auch sehr privates) Archivmaterial und kommt den Bandmitgliedern vielleicht näher, als dies ein außenstehender Regisseur vermocht hätte. In Voice-over-Kommentaren, die beständig über all die Fotos, Fernsehmitschnitte und Videoaufnahmen gelegt sind, und in Interviews geben die Musiker zudem auch viel Persönliches preis. Hier kommen wir gar nicht drum herum, diese bis heute bodenständigen, authentischen Typen zutiefst sympathisch zu finden. Gerade an den Wende- und Tiefpunkten der Karriere beschleicht einen aber das Gefühl, dass ein fremder Filmemacher energischer nachgebohrt und mehr zutage gefördert hätte.

Und dennoch ist "Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze" nicht nur für Fans der Band sehenswert. Es ist spannend, diese Musiker bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Wir werden Zeuge, wie professionell, aber auch kritisch reflektiert sie schon als Jugendliche sind. Und es macht einfach Spaß, ihnen bei all ihrem Tun zuzusehen. Sei es der Elan, mit dem sie ihre Karriere nach der Karriere angehen, sich dabei für nichts zu schade sind und sich diebisch über noch so kleine Erfolge freuen, oder die Liebe zur Musik, die stets im Vordergrund steht. Ganz nebenbei, wenn auch nur am Rande, gibt der Film Einblick in die knallharten Mechanismen der Branche. Das haben andere Dokus freilich schon besser getan.

Fazit: "Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze" ist ein Geschenk der Band an ihre Fans, bietet aber auch Zuschauern, die nichts mit der Musik der einstigen Teenageridole anzufangen wissen, spannende Einblicke ins Musikgeschäft. Auch wenn der Dokumentarfilm nicht durchgehend überzeugt, reißt er immer wieder mit treibender Musik und deren authentischen Interpreten mit.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.