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Se ora Teresas Aufbruch in eine neues Leben
Se ora Teresas Aufbruch in eine neues Leben
© Arsenal

Kritik: Señora Teresas Aufbruch in eine neues Leben (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Senora Teresas Aufbruch in ein neues Leben" erlebte seine Weltpremiere beim diesjährigen Filmfestival in Cannes in der Sektion "Un Certain Regard”. Dort nahm die Indie-Produktion der Regisseurinnen Cecilia Atán und Valeria Pivato auch am Wettbewerb um die Goldene Kamera teil. Atán und Pivato verfassten zudem gemeinsam das Drehbuch. Für die Hauptrolle besetzten sie die Chilenin Paulina García, die Arthouse-Fans bereits durch ihre Rolle in dem vielfach prämierten Film "Gloria", bekannt sein dürfte. Die zweite Hauptrolle spielt der Argentinier Claudio Rissi, der bisher vor allem in südamerikanischen TV-Serien zu sehen war.

"Senora Teresas Aufbruch in ein neues Leben" ist in erster Linie ein Film der Gegensätze. Diese Diskrepanzen sind es, die einen großen Reiz des Films ausmachen – und die die beiden Filmemacherinnen Atán und Pivato gekonnt und dramaturgisch sinnvoll, einander gegenüberstellen. Da wären zum Einen die beiden grundverschiedenen Hauptfiguren. Die eine: etwas schroff, introvertiert und ziemlich schweigsam (Teresa). Die andere Figur (El Gringo): stets freundlich, weltoffen und äußerst gutherzig. Teresa betont, dass sie nicht gerne redet, während El Gringo der spröden Mittfünfzigerin gerne mal ein Kompliment zu ihrer Augenfarbe macht. Diese Tatsache sagt schon viel über deren Wesen und Persönlichkeit aus.

Doch die Beiden unterscheiden sich auch noch in einem anderen Punkt essentiell voneinander: während Teresa 30 Jahre lang bei ein und demselben Arbeitgeber beschäftigt war sowie die Sicherheit und Wärme eines "zu Hauses" genoss, ist El Gringo ein mit seinem Camper umherfahrender Händler. Also eher ein Getriebener, ein Reisender. Paulina García und Claudio Rissi brillieren in ihren Rollen und verleihen ihren feinfühligen, vielschichtigen Figuren jederzeit Tiefe und Ausdruck.

Beide – Teresa und El Gringo – eint jedoch insgeheim die Suche nach einem späten (Liebes-) Glück, weshalb sich im Film lange Zeit immer wieder auch eine zarte Romanze in nuancierten Zwischentönen ankündigt. Oder eher: andeutet, genauso wie vieles im Film vage erscheint und nur angerissen wird. Etwa der Inhalt der Tasche, die Teresa verloren hat aber unbedingt wiederfinden muss, da sich darin – wie sie oft betont – "ihr Leben" befindet. Das wahre Innere bleibt ein Geheimnis. Dies stellt jedoch kein Problem dar, sorgen doch diese Andeutungen und wagen Äußerungen u.a. dafür, dass die Phantasie und Imagination des Zuschauers angeregt wird. Und Raum für Interpretationen lässt.

Die weiter oben erwähnten Gegensätze manifestieren sich aber auch noch in der Wahl der Kameraeinstellungen sowie der "Weite" der Schauplätze. Kurze Rückblenden im Film zeigen das frühere Leben Teresas im Haus der Familie in Buenos Aires. Ihr Dasein dort wirkt auf gewisse Art bedrückend und einengend. Hervorgerufen auch durch das ereignisarme Leben und die Arbeit im Haus, in dem letztlich ein Tag dem anderen glich. Dem Gegenüber stellt der Film die erhabene Schönheit und Weitläufigkeit der Wüste, die für Aufbruch und Freiheit stehen. Und den Start in ein neues Leben.

Fazit: Technisch und inhaltlich gekonnt einander gegenübergestellte Kontraste, malerische Naturkulissen sowie zwei behutsam und eindringlich agierende Hauptdarsteller machen aus "Senora Teresas Aufbruch in ein neues Leben" eine kleine, aber feine Indie-Perle.





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