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Die Frau, die vorausgeht
Die Frau, die vorausgeht
© Tobis Film

Kritik: Die Frau, die vorausgeht (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Tȟatȟáŋka Íyotake, besser bekannt als Sitting Bull, ist einer der berühmtesten, wenn nicht der berühmteste Indianerhäuptling. Das Leben des Stammesführers und Medizinmanns der Hunkpapa-Lakota-Sioux spielte in zahlreichen Western eine tragende Rolle. Regisseurin Susanna White hat sich nun des Lebens einer seiner Weggefährtinnen angenommen, von der die wenigsten gehört haben dürften: die schweizerisch-amerikanische Bürgerrechtlerin Caroline Weldon. Ende des 19. Jahrhunderts übersiedelte sie von New York ins Dakota-Territorium und wurde Sitting Bulls Privatsekretärin.

Leitmotiv des Films, stets mehr Biopic als Western, ist die Freiheit. Die Freiheitssuche einer unabhängigen Frau und der Freiheitskampf eines gebrochenen Mannes in einer gleichermaßen patriarchalen, misogynen und rassistischen Zeit. Über ihre Hartnäckigkeit und die Kunst finden die beiden zueinander, richten sich gegenseitig auf und schreiten gleichberechtigt Seite an Seite. Der Filmtitel entspricht Weldons indianischem Namen, den sie nicht nur für ihren schnellen Schritt erhält, dem Sitting Bull nur schwer folgen kann, sondern auch dafür, dass sie die politische Sache entscheidend voranbringt.

Drehbuchautor Steven Knight nimmt sich das zentrale Thema zu Herzen und ordnet die historischen Fakten ziemlich frei neu an. Aus Caroline wird Catherine Weldon, aus einer Geschiedenen eine Witwe, die ihr politisches Engagement erst peu à peu entdeckt. Um das Votum gegen eine weitere Parzellierung der Reservate zu verhindern, begibt sie sich mit Sitting Bull auf eine Art Wahlkampftour, die wie vieles in Susanna Whites Drama ein wenig zu modern anmutet. Und weil die Romantik nicht fehlen darf und ihr zu viele Figuren nur im Weg stünden, reist im Film weder Weldons 13-jähriger Sohn mit ins Indianerreservat noch spielen Sitting Bulls Kinder von verschiedenen Frauen eine Rolle. Hier trifft keine Mutter auf einen Familienmenschen, sondern eine einsame Seele auf die andere.

"Die Frau, die vorausgeht" funktioniert dennoch, was neben Mike Eleys bestechenden Landschaftsaufnahmen an Jessica Chastain und Michael Greyeyes liegt. Chastain und Greyeyes spielen sich behutsam aneinander ab. Letzterer beeindruckt durch seine sanfte, die Leinwand einnehmende Präsenz. Und mit einer Ansprache vor der Wahl gehört ihm der Höhepunkt des Films. Mit Ciarán Hinds, Sam Rockwell und Chaske Spencer sind auch die Nebenrollen vorzüglich besetzt. Doch weder Knight, der diese Figuren viel zu eindimensional geschrieben hat, noch White, die sich mit routinierten Darbietungen zufriedengibt, holen das Optimum aus dem Rest des Ensembles heraus.

Insgesamt wirkt das alles ein wenig zu glatt, zeitgeistkonform und korrekt. Zwar macht der Film Gewalt gegen Frauen durch Verzerrungen in Bild und Ton als audiovisuelles Schockerlebnis erfahrbar. Und abseits aller Indianerromantik spart er auch die Gräuel der Stammesvölker, zumindest in Erzählungen, nicht aus. Etwa mehr Ecken und Kanten, vor allem bei den niederträchtigen Gegenspielern, hätten es aber gern sein dürfen.

Fazit: "Die Frau, die vorausgeht" wirft mit viel erzählerischer Freiheit einen Blick auf eine unabhängige Frau und ihren Freiheitskampf an der Seite des Indianerhäuptlings Sitting Bull. Die beiden Hauptdarsteller und die Landschaftsaufnahmen beeindrucken. Handlung und Nebenrollen wirken hingegen etwas zu glatt.




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