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Kritik: Falten (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm der Schweizer Filmemacherin Silvia Häselbarth Stolz erzählt über das Altwerden. Fünf Menschen ziehen vor der Kamera Bilanz über ihr Leben und geben Auskunft über ihren Alltag. In ihren Berichten kristallisieren sich die großen Herausforderungen des letzten Lebensabschnitt klar heraus. Die Kräfte lassen nach, die Frage drängt sich auf, was man noch erreichen will oder könnte, die Erkenntnis schleicht sich ein, dass auf manche liebgewordene Gewohnheit, aber auch auf den einen oder anderen Wunschtraum verzichtet werden muss. Aber obwohl die in diesem Film Porträtierten sehr verschieden sind, eint sie die Feststellung, dass ein zufriedener Blick auf die Vergangenheit die beste Voraussetzung für einen gelungenen Lebensabend bietet.

Die Filmemacherin hat sich Protagonisten ausgesucht, deren Biografie keineswegs in geradlinigen Bahnen verlief. Das fängt schon mit der Kindheit in der Kriegs- oder Nachkriegszeit an und zieht sich dann fort mit Brüchen im Berufs- und Privatleben. Früher oder später aber fanden alle eine Tätigkeit, die sie erfüllte. Fredy ist stolz, 48 Nationen bereist zu haben, Urs bereut seinen einstigen Entschluss, aus dem geregelten Berufsleben auszusteigen, nicht. Er verdiente sein Geld mit den Dingen, die ihn interessierten, lebte eine Weile in Paris. Monica, die Künstlerin, mag faltige Gesichter mehr als gestraffte, weil sich in ihnen das Werk des Lebens ausdrückt. Auch jetzt, im Alter, sind die hier Porträtierten noch neugierig und dem Leben zugewandt, aber einige von ihnen sprechen auch von der wachsenden Bereitschaft, loszulassen.

Die Protagonisten werden in ihrem privaten Bereich und zum Teil bei der Arbeit gefilmt oder bei Spaziergängen vor imposanter Bergkulisse. Wenn sie von früher erzählen, erscheinen oft ihre persönlichen Fotografien im Bild. So gelingt auch auf visueller Ebene ein Brückenschlag zwischen den Zeiten, der die Vorstellungskraft anregt und für Abwechslung sorgt. Der Dokumentarfilm vermittelt seine Botschaft, dass man das Alter nicht fürchten muss, sondern sich mit ihm anfreunden kann, dank seiner differenziert und offen, aber versöhnlich bilanzierenden Gesprächspartner glaubwürdig.

Fazit: In diesem Dokumentarfilm der Schweizerin Silvia Häselbarth Stolz ziehen fünf Menschen zwischen Ende 60 und Anfang 80 Bilanz über ihr Leben und sprechen über die Mühen des Altwerdens. Ihre Schilderungen und die Einblicke in ihren Alltag räumen auf mit dem Vorurteil, dass der letzte Lebensabschnitt von Traurigkeit geprägt sein muss. Vielmehr wirken die Protagonisten, obwohl ihre Lebenswege nicht immer wie geplant verliefen, zufrieden und sie werfen mehr Positives als Negatives in die Waagschale. Indem sie weiterhin aktiv sind, beweisen sie, dass es möglich ist, dem Leben auch dann noch schöne Seiten abzugewinnen, wenn man etwas kürzertreten muss.




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