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Vom Ende einer Geschichte
Vom Ende einer Geschichte
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Vom Ende einer Geschichte (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

2011 veröffentlichte der Brite Julian Barnes seinen Roman "Vom Ende einer Geschichte", der von Kritikern zu einem der bedeutendsten britischen Romane aller Zeiten gewählt wurde. Inszeniert wurde "Vom Ende einer Geschichte" vom indischen Filmemacher Ritesh Batra, der 2013 mit seinem Spielfilm "Lunchbox" international bekannt wurde. Im Herbst 2015 drehten er und sein Team "Vom Ende einer Geschichte" in London und Bristol, als Hauptdarsteller konnte Jim Broadbent gewonnen werden. Der 68-jährige Schauspieler zählt seit den späten siebziger Jahren zu den wichtigsten britischen Darstellern, große Erfolge feierte er in den achtziger Jahren in den Filmen von Terry Gilliam ("Time Bandits", "Brazil").

Liebe, Eifersucht, Rache, Verdrängung, Schuld und geschönte Erinnerungen – um all dies geht es Barnes Roman, den Regisseur Batra konsequent und mit Respekt gegenüber der literarischen Vorlage auf die Leinwand überträgt. Batra macht vieles richtig, unter anderem vermengt er die filmische Gegenwartshandlung stimmig und ausgewogen mit den Erinnerungsszenen und den Rückblenden in die Vergangenheit. An dramaturgisch sinnvollen Stellen wagt er einen Blick zurück in die sich dem Ende neigende Schulzeit Tonys. Als er sich Hals über Kopf in Veronica verliebte, diese jedoch irgendwann ihr Glück bei Adrian fand. Die Folge war eine Kurzschlussreaktion, an deren Ende ein tragisches Ereignis stand.

Jim Broadbent spielt den etwas missmutigen, misanthropischen alten Mann mit stoischer Miene und cholerischem Gemüt. Er agiert dabei jederzeit glaubhaft und authentisch in seiner Rolle, auch was Tonys Verwandlung im Laufe der Handlung betrifft. Tony ist mindestens bis zur Hälfte des Films ein Mann, der sich die Erlebnisse der Vergangenheit schön redet und seine eigene Schuld weitestgehend verdrängt. Allmählich aber, je mehr die wahren Vorkommnisse zum Vorschein kommen, wird ihm sein früheres Vergehen bewusst.

Und mit jener zunehmenden Erkenntnis verändern sich seine Einstellung zu bestimmten Dingen und seine Lebensansichten. Womit es "Vom Ende einer Geschichte" dann auch gut sein lässt. Quasi die verspätete Läuterung eines sich selbst belügenden, unehrlichen Mannes, der sich selbst immer als Opfer sah. Diese Transformation mag sympathisch und – wie erwähnt – nicht unglaubwürdig erscheinen, jedoch wird sie der Tragik der Geschehnisse nur bedingt gerecht.

Batra hätte, wie es der Roman tat, an dieser Stelle noch tiefer gehen und ausführlicher ergründen müssen, was Verantwortung eigentlich bedeutet. Verantwortung für Taten, die tragische Konsequenzen nach sich ziehen. Zu beiläufig und gleichgültig aber behandelt der Film schlussendlich die verhängnisvolle Kettenreaktion aus der Vergangenheit, der komplexe Emotionen der Beteiligten vorausgingen.

Fazit: "Vom Ende einer Geschichte" verfügt über einen starken Hauptdarsteller und eine harmonische Vermengung von filmischer Gegenwart und Rückblenden, wird der Vielschichtigkeit der Romanvorlage aber nicht immer gerecht.




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