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Professor Marston & the Wonder Women
Professor Marston & the Wonder Women
© Sony Pictures

Kritik: Professor Marston & the Wonder Women (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In "Professor Marston and the Wonder Women" gibt die Filmemacherin Angela Robinson Einblick in das Berufs- und Privatleben von William Moulton Marston (1893-1947). Der US-Psychologe führte eine polyamoröse Beziehung mit seiner Gattin Elizabeth und der gemeinsamen wissenschaftlichen Assistentin Olive Byrne. Nach dem Vorbild der beiden Frauen schuf er mit Elizabeths Unterstützung die Superheldin Wonder Woman – eine starke, selbstbestimmte Figur, die zur feministischen Ikone werden sollte. Als Mixtur aus Zeitstück, biografischem Drama und Liebesfilm beeindruckt das Werk vor allem durch seine Sensibilität im Umgang mit den Gefühlen des zentralen Trios.

Angela Robinson, die seit ihrem vorigen Spielfilm "Herbie Fully Loaded" (2005) in erster Linie im Serienbereich tätig war (etwa für "The L Word" und "True Blood"), legt in formaler Hinsicht eine solide, aber kaum außergewöhnliche Arbeit vor. Die Bilder sind (nicht zuletzt dank der stilvollen Garderobe und des exquisiten Produktionsdesigns) äußerst gediegen, die eingesetzte Musik ist gängig-geschmackvoll. Auch die Erzählstruktur, in welcher die Entstehung der Beziehung zwischen Marston und seinen beiden "Wunderfrauen" sowie die Geburt der Comicgestalt Wonder Woman in Rückblenden eingefangen wird und eine Anhörung vor der Child Study Association of America unter Vorsitz der strengen Josette Frank (Connie Britton) als Rahmenhandlung dient, entspricht durchaus der Biopic-Konvention. Was "Professor Marston and the Wonder Women" zu einem exzeptionellen Werk macht, ist die Blickdramaturgie. Glaubwürdig zeigt der Film drei Menschen, die sich alle gegenseitig respektieren, bewundern, begehren und sich ineinander verlieben – und die außerdem den Mut haben, diese Liebe (nach anfänglichem Zögern) zu leben. Die Experimente der drei mit Bondage und anderen BDSM-Praktiken werden zurückhaltend, jedoch mit der erforderlichen Innigkeit auf die Leinwand gebracht.

Die Drehbuchautorin und Regisseurin kann sich überdies auf ein hervorragendes, perfekt miteinander harmonierendes Schauspiel-Trio verlassen. Luke Evans, der in Filmen wie "Girl on the Train" (2016), "Die Schöne und das Biest" (2017) oder der "Fast & Furious"-Reihe eher als aggressiver Typ in Szene gesetzt wird, verkörpert Marston als klugen und sanftmütigen Mann sowie als einen überzeugten Feministen. Mit Rebecca Hall ("Vicky Cristina Barcelona") als Ehefrau liefert er sich köstliche Dialogduelle, welche auch aus einer screwball comedy aus Hollywoods Glanzzeiten stammen könnten. Hall verleiht ihrer intelligenten, schlagfertigen Figur das nötige Charisma – und auch Bella Heathcote ("The Neon Demon") gelingt es, die Dritte im Bunde zu einem runden Charakter zu machen. Die von ihr gespielte Olive vollzieht zudem im Laufe der Geschichte die bemerkenswerteste Entwicklung.

Fazit: Ein überaus zärtlicher Film über drei interessante Persönlichkeiten, die von einem superben Schauspiel-Trio interpretiert werden.





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