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Die Grundschullehrerin
Die Grundschullehrerin
© Alamode Film

Kritik: Die Grundschullehrerin (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Spielfilm der französischen Regisseurin Hélène Angel ist eine Hommage an den Lehrerberuf, der so viel persönliches Engagement erfordert. Für die Grundschulkinder ist eine Lehrerin wie die idealistische Florence auch Erzieherin und Bezugsperson. Florence hat unter den Zehnjährigen in ihrer Klasse Schüler mit besonderem Förderbedarf, wie eine Autistin und eine Analphabetin, die sitzenbleibt, wenn sie im Laufe des Jahres nicht lesen lernt. Aber auch ihr Sohn gehört zu ihren Schülern, was Florences Problem, zwischen Beruf und Privatleben keine strikte Grenze zu ziehen, nur verschärft. Eine Theateraufführung, ein Schüler, der kein Zuhause hat, eine Lehrprüfung und der tägliche Lärmpegel in der Klasse halten Florence zusätzlich auf Trab. Ohne es zu merken, steuert sie auf eine schwere Krise zu.

Angel zeichnet die Grundschule als einen sehr lebhaften, unperfekten Ort, der engagierte Lehrer tendenziell in die Überforderung treibt. Schon allein die Unruhe, die in der Klasse herrscht und die ständigen Störungen des Unterrichts durch einzelne Schüler erzeugen eine Atmosphäre der Irritation. Aber dieser Zustand wird hier als Normalität postuliert, mit der die Lehrerin eben jonglieren muss. Florence muss stets sehr präsent sein, verliert aber nie den Überblick oder gar die Beherrschung. Andere Kollegen, wie Sachas Lehrerin, bringen sich menschlich weniger ein, sind nicht bereit, nach Dienstschluss den Babysitter zu spielen für nicht abgeholte Kinder. Florence muss schmerzhaft lernen, dass auch sie nicht jedem Kind helfen kann – und doch zeigt sich in manchen Fällen, dass ihr besonderes Engagement Früchte trägt.

Sara Forestier spielt die junge Lehrerin sehr glaubwürdig als Person, die viel erreichen will und ihre eigenen Grenzen missachtet. Die anderen Figuren sind jedoch weniger genau gezeichnet. Auch fällt auf, wie schnell sich langwierig aufgebaute Konflikte auflösen, beziehungsweise vom Drehbuch entsorgt werden. So bleiben sämtliche Beziehungen in diesem Film reduziert und ihr Kurs kann sich abrupt ändern. Die Regisseurin packt einfach zu viele Themen in dieses Drama hinein, um dann auch noch das emotionale Erleben der einzelnen Charaktere glaubhaft ausloten zu können. So hinterlässt der Film einen durchwachsenen Eindruck.

Fazit: Das französische Drama mit Sara Forestier in der Rolle einer sehr engagierten jungen Lehrerin ist eine Hommage an den Lehrerberuf. Oft wirkt das Drama ausgesprochen realitätsnah, aber es trägt die alltäglichen schulischen Probleme zuweilen etwas dick auf. Dabei kommt die Charakterzeichnung ein wenig zu kurz. Glaubwürdig wird aber das Spannungsfeld geschildert, das entsteht, weil die Schule einerseits ein unperfekter Ort ist, andererseits aber manche Pädagogen eine starke menschliche Fürsorge für ihre Schüler entwickeln.




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