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Blind & Hässlich
Blind & Hässlich
© Daredo Media GmbH

Kritik: Blind & Hässlich (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur Tom Lass ("Kaptn Oskar") hat eine frische, schräge Liebeskomödie inszeniert, in der er auch die Hauptrolle des neurotischen Ferdi spielt. Ferdi weiß nicht, wie er bei Frauen landen kann, und dass Jona so nett zu ihm ist, führt er darauf zurück, dass sie ihn nicht sieht. Aber Jona hat nur behauptet, blind zu sein, und sie würde Ferdi, als sie sich in ihn verliebt, so gerne die Wahrheit sagen. Nur hat sie Angst, dass er sich dann etwas antut. Die originelle Geschichte wird mit sehr viel Witz erzählt, wobei Begegnungen der Hauptfiguren mit Polizisten, Psychologen, einem Hauswart und anderen Menschen häufig parodistisch ausgeschmückt werden.

Die Unbeschwertheit der jugendlichen Hauptfigur Jona ist für die ganze Geschichte richtungsweisend. Wenn sie mit Cousine Cécile tanzen geht oder herumalbert, wenn die beiden jungen Frauen mit zwei Männern zum Badesee fahren, übernehmen rauschhafte Impressionen und das Glück des Augenblicks die Regie. Wenn Ferdi nicht hinschaut, hat Jona manchmal ein belustigtes Lächeln für ihn übrig. Denn Ferdi scheut zurück vor dem ersten Kuss, dem ersten Sex mit ihr und hat für all seine Ängste umständliche Erklärungen. Ferdi schaut immer ernst und bedrückt drein, und doch macht er sich lustig über den Hauswart, die Mitbewohner seiner betreuten Wohngemeinschaft, seine Sozialarbeiterin. Er hat die psychologische Betroffenheitssprache perfekt gelernt und benutzt sie als Schutzschild. So sorgt die Figur des schrägen Ferdi für köstlichen Dialogwitz, den auch die Gastauftritte verschiedener junger Filmemacher und Schauspieler – wie zum Beispiel Axel Ranisch als Polizist, Dietrich Brüggemann als Autohändler, Robert Gwisdek als Augenarzt – befeuern.

Diese erfrischende komödiantische Erzähllaune hat jedoch auch einen grundsätzlichen Nachteil. Man kann die beiden Hauptcharaktere nicht so ganz ernst nehmen. Und für ihre emotionale Glaubwürdigkeit wäre das schon wichtig. So wirkt diese Geschichte zwar spannend, unterhaltsam und gespickt mit guten Einfällen, aber eben auch lediglich ausgedacht und spielerisch interpretiert. Dass Cécile, die wirkliche Blinde, eine Nebenfigur bleibt, die wenig Grund zum Frohlocken hat, passt ins Gesamtbild der weitgehend fehlenden Auseinandersetzung mit dieser Behinderung. Insgesamt bietet diese Komödie von Tom Lass kurzweiliges, nicht alltägliches Filmvergnügen, das es aber gar nicht darauf anlegt, authentische Charaktere und tiefgründige Erkenntnisse zu liefern.

Fazit: Unter der Regie von Hauptdarsteller Tom Lass entwickelt die romantische Komödie über eine junge Frau, die sich für blind ausgibt und einen Mann, der sich für hässlich hält, einen originellen, schrägen Charme. Mit frechem Dialogwitz und garniert von parodistischen Einlagen steuern die zwischenmenschlichen Begegnungen in dieser Geschichte auf überraschende Wendungen zu. Die gleichzeitig angestrebte emotionale Dramatik gerät dabei allerdings ins Hintertreffen, vor allem fehlt es den Charakteren an Tiefe und Authentizität.





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