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Kritik: The Woman Who Left (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nichts in Lav Diaz' neuem Film wirkt überstürzt: Das liegt nicht allein an der (für den philippinischen Regisseur doch recht überschaubaren) Laufzeit von beinahe vier Stunden, sondern zeigt sich in jeder einzelnen Szene erneut. Es sind ausnahmslos lange, ruhige Einstellungen, meist Totalen, mit denen Diaz in "The Woman Who Left" die Lebenswelt seiner Protagonistin Horacia bebildert und das Publikum gemächlich, aber unerbittlich in diesen Kosmos aus Schuld, Vergebung und Rache führt.

In schmucklosem Schwarzweiß zeichnet der Filmemacher hier ein Milieu der Ausgestoßenen, Verlierer und Verachteten. Die, die herrschen, werden zwar kaum gezeigt, ihre alles bestimmende Macht ist allerdings stets spürbar und prägt die Schicksale der Protagonisten maßgeblich. Die Verachtung gegenüber ihrem wohlhabenden Ex und ihre Rachegelüste treiben die Heldin dabei zwar an und halten die Handlung am Laufen, letztlich sind es jedoch die Abschweifungen und Augenblicke des Innehaltens, die "The Woman Who Left" ausmachen.

Flüchtige Träumereien von einer besseren Welt, ein unschuldiges Lied, brüchige Allianzen und ein gemurmeltes Gebet – der alltägliche Kampf ums Überleben steckt bei Diaz voller Momente der Barmherzigkeit und Solidarität, das Gute ist machbar. Wer sich von der vermeintlichen Sperrigkeit von Diaz' Werk nicht abschrecken lässt, der kann mit "The Woman Who Left" einen vielschichtigen Film zwischen persönlicher Vendetta, politischem Kommentar und purem Kino entdecken.

Fazit: Über beinahe vier Stunden Laufzeit entfaltet der philippinische Regisseur Lav Diaz einen dunklen Kinokosmos aus Schuld, Vergebung und Rache. "The Woman Who Left" ist eine unerbittliche Milieubeschreibung, die zugleich zeigt, dass der alltägliche Kampf der Helden ums Überleben nicht bloß Leid und Unrecht kennt, sondern auch wunderbare Momente der Solidarität.





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