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Kritik: Vielmachglas (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Vielmachglas" präsentiert Florian Ross sein Langfilmdebüt als Regisseur; er setzt dabei ein Drehbuch von Finn Christoph Stroeks ("Der Nanny") um. Der wortschöpferische Titel lässt an formelhafte deutsche Komödien wie "Zweiohrküken" denken – und tatsächlich mutet das tragikomische Roadmovie sowohl in seiner Stationen-Dramaturgie als auch in seiner Hochglanz-Optik zuweilen ziemlich klischeehaft an.

Einige Passagen sind deutlich zu albern geraten – etwa wenn sich die Protagonistin Marleen zu Beginn ihrer Reise nach Hamburg gemeinsam mit der überzeichnet dargestellten Vloggerin Zoë in den LKW eines Pavarotti singenden Fernfahrers begibt und sich dessen Fracht als überaus lebendig erweist oder wenn die beiden jungen Frauen später mit einer kleinen Ziege im Gepäck in einem Bus mit älteren Damen landen, an dessen Steuer Ilka Bessin (bekannt als "Cindy aus Marzahn") sitzt.

Andere Momente haben wiederum einen zu hohen Kitschgehalt – so zum Beispiel die Szene, in welcher der sympathische Ben Marleen auf eine nächtliche Wiese führt, auf der eine Schar von Glühwürmchen erscheint. Die Bestrebungen von Skript und Regie, möglichst skurrile Situationen zu schaffen, sind insgesamt etwas zu offensichtlich – ein Baumhaushotel im Nirgendwo mit einem riesigen Wespennest im Zimmer, das Marleen mit einem Tennisschläger zu entfernen versucht, oder eine Schlägerei in einer Karaoke-Bar mit einer von Katy Karrenbauer verkörperten Bikerin sind nette, aber allzu bemühte Ideen. Ebenso ist die Inszenierung samt Popmusik-Untermalung um eine Spur zu gefällig.

Dass "Vielmachglas" dennoch funktioniert und durchaus zu unterhalten vermag, ist in erster Linie der Hauptdarstellerin Jella Haase zu verdanken. Diese hat bereits in zahlreichen Werken – darunter die Milieustudie "Kriegerin" (2011), das Coming-of-Age-Drama "4 Könige" (2015) und die Freundschaftsgeschichte "Looping" (2016) – bewiesen, dass sie noch sehr viel mehr kann, als die renitent-begriffsstutzige Chantal in der "Fack ju Göhte"-Reihe zu geben. Und auch hier verleiht sie ihrer Figur den nötigen Charme, damit man Marleen als Zuschauer auf der chaotischen Reise folgt. Überdies stimmt die Chemie zwischen ihr und ihrem Filmbruder Matthias Schweighöfer ebenso wie zwischen ihr und ihrem love interest Marc Benjamin ("Unsere Zeit ist jetzt", "High Society"). In den Nebenrollen ist das Werk zudem etwa mit Juliane Köhler und Uwe Ochsenknecht gut besetzt.

Fazit: Ein weitgehend schablonenhaft geschriebenes und inszeniertes Roadmovie, das jedoch von der starken Jella Haase und deren Zusammenspiel mit ihren Co-Stars profitiert.




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