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Liebe auf Sibirisch - Ohne Ehemann bist du keine Frau!
Liebe auf Sibirisch - Ohne Ehemann bist du keine Frau!
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Liebe auf Sibirisch - Ohne Ehemann bist du keine Frau! (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Prinzip dieses Dokumentarfilms ist ein Aufeinanderprallen zweier konträrer Lebensmodelle. Die aus Sibirien stammende Berlinerin Olga Delane ist eine moderne, emanzipierte Frau, die nach Selbstverwirklichung strebt. Ihre Verwandten im sibirischen Dorf Onon-Borzja aber kritisieren sie dafür. Eine Frau brauche einen Mann und müsse Kinder kriegen, hier im Dorf wäre Olga viel glücklicher, meinen ihre Cousins. Vier Jahre lang hat sich die Filmemacherin im Dorf mit seinen 270 Einwohnern umgesehen, ihre Verwandten im Alltag beobachtet. Sie saß mit ihnen am Küchentisch und ließ sie über das Verhältnis von Mann und Frau im allgemeinen und ihre Beziehung im besonderen sprechen.

Cousin Sasha ist Großbauer, ihm gehört in der Gegend viel Grund. Anderen im Dorf geht es nicht so gut, es gibt Alkoholiker und Arbeitslose. Manche klagen, dass die Landwirtschaft nicht genug abwerfe und dass es sonst keine Erwerbsmöglichkeiten gebe. Galja hat in ihrem Leben viel Gewalt erlebt, vom eigenen Vater und vom Ehemann, mit dem sie immer noch zusammen ist. Und mit dem sie inzwischen locker scherzt. Sie ist ein fröhlicher Mensch und nimmt kein Blatt vor den Mund. Je länger die Filmemacherin die Verwandten beobachtet, desto weniger stark erscheinen die Männer, während die Frauen ein ganz eigenes Selbstbewusstsein offenbaren. Die Überraschung ist groß, als Sashas Frau Ira plötzlich in die Stadt zieht, weil sie sich nach einem komfortableren Leben sehnt. Das Paar bleibt zusammen, Sasha hat ihr die Stadtwohnung eingerichtet mit Waren aus China. Nun muss er sich alleine um die Schweine kümmern. Aber wird Ira in der Stadt glücklich?

Olga Delane fängt fröhliche Szenen auf Festen ein, die den beschwerlichen Alltag im Dorf auflockern. Hier gibt es wenig Komfort und Abwechslung – die ärmlichen Häuser sind aus Holz, einmal sieht man eine Frau Wassereimer im Bach auffüllen. Viele Menschen haben Zahnlücken. Aber die Zufriedenheit, die sie ausstrahlen, und die Geborgenheit, die einige von ihnen in ihren Beziehungen erfahren, beeindrucken die Filmemacherin und teilen sich auch den Zuschauern mit. Auch unter schwierigen Bedingungen gelingt diesen Dorfbewohnern ihrer eigenen Auffassung nach ein erfülltes Leben. Und diese Haltung stellt die westlichen Klischeevorstellungen von Rückständigkeit und Selbstverwirklichung zumindest zum Teil infrage.

Fazit: Die in Berlin lebende Filmemacherin Olga Delane besucht ihre Verwandten in einem kleinen Dorf in Südostsibirien. Nach Auffassung ihrer Cousins verpfuscht eine Frau wie sie, die weder Mann noch Kinder hat, ihr Leben. Das traditionelle Rollenbild wird auch von den Frauen nicht infrage gestellt. Doch im Laufe der Langzeitbeobachtungen und der vielen Gespräche zeigt sich, dass die Geschlechterhierarchie weniger starr ist, als zu vermuten war. Die liebevoll porträtierten, humorvollen und herzlichen Menschen widersetzen sich zum Teil auf überraschende Weise den westlichen Klischees über rückständige und fortschrittliche Lebensmodelle.





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