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Chance 2000 - Abschied von Deutschland
Chance 2000 - Abschied von Deutschland
© Filmgalerie 451

Chance 2000 - Abschied von Deutschland (2017)

Anhand von reichhaltigem Archivmaterial blickt dieser Dokumentarfilm zurück auf Christoph Schlingensief und sein grenzüberschreitendes Kunstprojekt zur Bundestagswahl 1998.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Nach 16 Jahren an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland stellt sich Helmut Kohl 1998 erneut zur Bundestagswahl. Einer, der sich diesem Vorhaben und all seinen Konsequenzen entschlossen entgegenstellt, ist der Theaterregisseur Christoph Schlingensief, der gemeinsam mit der Berliner Volksbühne ein aufsehenerregendes Projekt auf die Beine stellt: Schlingensief gründet zusammen mit Gleichgesinnten die Partei Chance 2000, mit der er zur Bundestagswahl antreten will. Todesdrohungen gegen den Bundeskanzler, Zirkusaufführungen sowie ein Bad von Arbeitslosen im Wolfgangsee ziehen das Interesse der Medien auf sich, die so Teil von Schlingensiefs Inszenierung werden. Rasch verschwimmen die Grenzen zwischen Spaß und Ernst, zwischen Theater und Politik sowie zwischen Kunst und Realität.

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Chance 2000 - Abschied von DeutschlandChance 2000 - Abschied von DeutschlandChance 2000 - Abschied von Deutschland - Wahlplakat


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Knapp hundert Stunden Videomaterial aus dem Nachlass von Christoph Schlingensief wurden digitalisiert und von Kathrin Krottenthaler und Frieder Schlaich zu einem zweistündigen Blick zurück auf das Schaffen des 2010 verstorbenen Künstlers montiert. In chronologischer Reihenfolge erzählt "Chance 2000" von Schlingensiefs grenzüberschreitendem gleichnamigem Kunstprojekt, mit dem er während der Bundestagswahl 1998 für Wirbel sorgte.

Das Archivmaterial steht dabei für sich und wird dankenswerterweise nicht etwa durch Interviews mit Weggefährten ergänzt. "Chance 2000 – Abschied von Deutschland" ist kein wehmütiger Blick in die Vergangenheit und schon gar keine sentimentale Lobhudelei. Stattdessen dokumentiert der Film einen Wendepunkt in Schlingensiefs künstlerischer Karriere und lässt die Energie, den Witz und den Idealismus des Regisseurs noch einmal aufleben.

Zwei Stunden Schlingensief, das ist eine Zumutung im besten Sinne. Kaum eine Einstellung kommt ohne den Theatermacher aus, Schlingensiefs Präsenz in Wort und Bild lässt spätestens nach Ende des Films deutlich werden, wie sehr der Künstler in unseren Tagen fehlt. Was hätte er wohl zur anstehenden Bundestagswahl 2017, dem 12. Jahr einer Regierung unter Merkel, beizutragen?

"Chance 2000 – Abschied von Deutschland" offenbart zudem, dass das, was Schlingensiefs Arbeit einst so unerhört hat erscheinen lassen, längst von der Realität überholt wurde: Helmut Kohl, dessen Tod Schlingensief noch im Rahmen eines Theaterstücks forderte, wurde begraben und der Spaßwahlkampf der FDP im Jahr 2002 oder aktuell die Selbstinszenierung eines Donald Trumps lassen Schlingensiefs überdrehten Zirkus mitunter zahm und harmlos erscheinen. Das spricht nicht gegen das Talent des Theatermachers, aber sagt viel über unsere Zeit aus.

Fazit: Dieser sehenswerte Dokumentarfilm lässt eines der aufsehenerregenden Kunstprojekte Christoph Schlingensiefs anhand von Archivmaterial noch einmal aufleben. "Chance 2000 – Abschied von Deutschland" verzichtet dankenswerterweise auf wehmütige Lobhudelei und erinnert stattdessen auf kraftvolle Weise an die Energie, den Witz und den Idealismus eines bemerkenswerten Künstlers.




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Land: Deutschland
Jahr: 2017
Genre: Dokumentation
Länge: 125 Minuten
Kinostart: 07.09.2017
Regie: Kathrin Krottenthaler, Frieder Schlaich
Verleih: Filmgalerie 451

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