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Kritik: Vor dem Frühling (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Vor dem Frühling" ist der dritte Langfilm des georgischen Regisseurs und Produzenten George Ovashvili, der seine Karriere einst mit Kurzfilmen begann. Mit seinen beiden vorherigen Filmen, "Das andere Ufer" und "Die Maisinsel", gelangen ihm internationale Kritikererfolge: "Das andere Ufer" wurde zu über 80 Filmfestivals in 50 Ländern eingeladen und mit über 50 Auszeichnungen bedacht. "Die Maisinsel" gewann 2014 den Hauptpreis des Karlovy Vary International Film Festival und schaffte es auf die Shortlist für eine Oscar-Nominierung für den "Bestn nicht-englischsprachigen Film".

"Vor dem Frühling" beruht auf wahren Ereignissen und befasst sich mit den letzten Tagen im Leben von Zviad Gamsakhurdia, der von Mai 1991 bis Januar 1992 Präsident Georgiens war. In erster Linie ist "Vor dem Frühling" als schwermütiges Drama über den Fall eines Staatsmannes angelegt, der sich mit dem Ende seiner Amtszeit beziehungsweise seinem gewaltsamen Putsch nicht abfinden will.

Aufgrund der Bedeutung, die die Natur in diesem Film einnimmt, ist "Vor dem Frühling" aber mindestens zu gleichen Teilen auch ein Survival-Abenteuer inmitten atemberaubender, schneebedeckter Gebirgslandschaften. Diese wird in betörend schönen Bildern eingefangen, die die ganze Pracht der Natur verdeutlichen – aber genauso ihre Unberechenbarkeit und ihren martialischen Charakter. Von schwer zu nehmenden, von metertiefem Schnee bedeckten Pässen, über dichte, Labyrinth-artige Wälder bis hin zu reißenden Strömen. Ein Großteil der Spannung ergibt sich daher aus dem Kampf der Geflüchteten gegen die Natur.

Darüber hinaus ist der Film ganz auf seinen ausdrucksstarken Hauptdarsteller zugeschnitten. Hossein Mahjoub liefert eine intensive Darbietung als geputschter Ex-Präsident ohne gesicherte berufliche wie private Zukunft. In kurzen, besonders dringlichen Augenblicken im Film wird deutlich, dass ihm nicht zuletzt sein Glaube Kraft und Mut verleiht. So spricht er unter anderem des öfteren von "Gott dem Allmächtigen", in dessen Händen die Zukunft und die bevorstehenden Ereignisse liegen.

Die spirituelle, poetische Note von "Vor dem Frühling" wird zudem gespeist durch die Vielzahl an Träumen und Erinnerungsfetzen, die Gamsakhurdia mit zunehmender Dauer der Flucht verstärkt heimsuchen. Irgendwann vermengen sich Traum und Wirklichkeit vollends und die assoziativen Träume und Erinnerungsmomente gehen dank der geschickten Montage fast nahtlos in die Gegenwartshandlung des Films über. Mit diesem technischen beziehungsweise visuellen Kniff symbolisiert Regisseur Ovashvili nicht zuletzt auch den sich verschlechternden Geisteszustand von Gamsakhurdia, der sich mehr und mehr in Wahn und Paranoia verliert.

Fazit: Die Urgewalt der Natur trifft auf eine poetische Vermengung von Traum und Wirklichkeit: George Ovashvilis politisches Natur- und Survival-Drama überzeugt dank seiner kraftvollen Bildsprache und der anspruchsvollen Montage.




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