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Der Konzertdealer
Der Konzertdealer
© P'Artisan Filmproduktion GmbH

Kritik: Der Konzertdealer (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Filmemacher Sobo Swobodnik hat sein Faible für Musik und für außergewöhnliche Lebensläufe bereits mit seinem Dokumentarfilm "Unplugged: Leben Guaia Guaia" über zwei junge Straßenmusiker bewiesen. Außerdem hat Swobodnik auch ein Faible fürs Atmosphärische, weshalb es ihm in "Silentium – Vom Leben im Kloster" überzeugend gelang, der Stimmung eines von Arbeit und Gebet geprägten Alltags in einer kleinen Gemeinschaft nachzuspüren. In seinem Dokumentarfilm "Der Konzertdealer" beobachtet er seinen Protagonisten, den Konzertveranstalter Scumeck Sabottka, in verschiedensten Situationen, häufig zwischen Tür und Angel, lässt ihn aber kaum jemals direkt in die Kamera sprechen.

Selbst wenn Sabottka mit Dritten spricht, hört man nicht immer, was gesagt wird. Die Aufnahmen werden oft nur von der elektronischen Musik von Dinos Chapman begleitet, den Sabottka sehr schätzt. Swobodniks beobachtende Annäherung nutzt verschiedene stilistische Möglichkeiten, eine vorgefundene Stimmung zu verstärken und zu kommentieren. Typisch für den Schwarz-Weiß-Film sind Überblendungen und Aufnahmen durch Fensterscheiben. Sie signalisieren erstens, dass dieser Mann, der stets auf Achse zu sein scheint, die Welt in Form von flüchtigen Impressionen wahrnimmt und viel reflektieren muss, um den Überblick zu behalten. Zweitens signalisiert diese Vielfalt manchmal konkurrierender, sich überlappender Motive eine filmische Distanz zum Protagonisten. Sabottka bleibt schwer fassbar, und wenn eines seiner dienstlichen Gespräche wichtig werden könnte, müssen Kamera oder Mikrofone weichen.

Als Gerüst dient dem Film ein Radiointerview, bei dem die Kamera zugegen ist und das häppchenweise eingestreut wird. So erfährt man etwas über Sabottkas Werdegang und außerdem auch einiges über seine Arbeitsweise, was sich aus den rein beobachtenden Bildern nicht ersehen lässt. Swobodnik erhascht immer nur kurze Häppchen von Künstlergesprächen, schaut sich in den Büroräumen der Firma um, in den Hotelzimmern, die Sabottka bezieht. Es ist nicht so, dass der Konzertveranstalter keine Nähe zuließe, im Gegenteil, er sitzt vor der Kamera in der Badewanne, trainiert am Boxsack, wird tätowiert. Sogar auf neckische Spielchen lässt er sich ein und holt zu symbolischen Boxschlägen in Richtung Kamera aus. Das alles aber ist nicht aussagekräftig genug für einen langen Dokumentarfilm. Vielmehr wirkt dessen impressionistisch-künstlerische Gestaltung reichlich manieriert.

Fazit: Sobo Swobodniks Porträt des Berliner Konzertveranstalters Scumeck Sabottka taucht beobachtend in den von Reisen geprägten Alltag des Protagonisten ein. Der Versuch, das Lebensgefühl und die Aura des Konzertpromoters atmosphärisch zu erfassen und mit stilistischem Ehrgeiz zu interpretieren, erweist sich als mäßig spannend. Statt aussagekräftiger Einblicke in die Arbeit eines Tourneeveranstalters oder in seinen menschlichen Charakter bietet der Film oft nur flüchtige Impressionen wie etwa Aufnahmen aus Fahrzeugfenstern auf Straßen und Wolkenkratzer.





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