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Lucky
Lucky
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Lucky (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Lucky" ist der letzte Film des im Herbst 2017 verstorbenen Schauspielers Harry Dean Stanton. Stanton, der über 90 Jahre alt wurde, gehörte zu den bekanntesten Nebendarstellern der Welt. In seiner sechs Jahrzehnte andauernden Karriere spielte er in unzähligen Filmen mit (einer der bekanntesten: "Paris, Texas"), Hauptrollen waren ihm dabei aber nur selten vergönnt. Der u.a. in Los Angeles gedrehte Film "Lucky" ist bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt: so sind u.a. Star-Regisseur David Lynch ("Wild at heart"), Tom Skerrit ("Contact") sowie Ed Begley Jr. ("Die Teufelin") in kleinen Rollen zu sehen.

Die Produktion ist eine Liebeserklärung an den legendären Harry Dean Stanton, der als einer der wenigen Schauspieler nur über seine Nebenrollen zu Weltruhm gelangte. Und erst im reifen Alter von 53 Jahren durch Ridley Scotts "Alien" einem breiten Publikum bekannt wurde, obwohl er bis dahin schon in dutzenden Filmen mitgewirkt hatte. Das Drehbuch zu "Lucky" ist ganz auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten. Dieser kann in seiner letzten Rolle vor seinem Tod nochmals zeigen, was in ihm steckt. Obwohl man die ganze Zeit über den Eindruck hat, dass Stanton hier gar nicht großartig spielen muss sondern einfach nur er selbst sein darf.

Lucky ist, wie Stanton selbst, ein schwermütiger Kauz und eigensinniger Kriegsveteran. Nicht die einzige Parallele zwischen der Filmfigur und Stanton. Schrullig, voller skurriler Eigenheiten und – vor allem – alt sind sie. Natürlich sieht man Stanton bzw. Lucky das hohe Alter mittlerweile an. Da sind die eingefallenen Wangen, die brüchige Stimme, der schwere Gang. Dennoch ist "Lucky" nicht schwerpunktmäßig ein Film über das Sterben bzw. den Tod. Denn zu aller erst ist "Lucky" ein herrlich schräges Werk, das in leisem Humor und intelligentem Witz badet.

Das beginnt bereits bei den schrägen, alltäglichen Eigenheiten und Ritualen von Lucky, zieht sich über die charmanten Nebencharaktere (unschlagbar: David Lynch als Barbesucher, der seine entlaufene Schildkröte sucht) und reicht bis zu den großartigen Running-Gags, die Regisseur Lynch konsequent durchzieht (Stichwort: "Realism is a thing"). Darüber hinaus ist "Lucky" zu keiner Sekunde langweilig obwohl streng genommen nicht wirklich viel passiert. Am Ende wird klar, dass man dem Tod, der früher oder später über jeden von uns kommt und der unvermeidlich ist, am besten mit einem Lächeln bzw. mit Humor begegnet.

Fazit: Liebenswürdige Hommage an einen der außergewöhnlichsten (Neben-) Darsteller aller Zeiten, durchzogen von lakonischem Witz, bizarrer Figuren und zu Herzen gehenden melancholischen Momenten.




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