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FBW-Bewertung: Mein Freund, die Giraffe (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung:
Der sechsjährige Dominik freut sich, denn am kommenden Tag soll er in die Schule kommen. Das erzählt er natürlich auch seinem besten Freund Raff und der freut sich natürlich auch. Aber Raff ist nicht irgendwer, sondern eine echte Giraffe. Und weil Dominik und Raff unzertrennliche Freunde sind, soll auch Raff mit zur Schule gehen.

MEIN FREUND, DIE GIRAFFE ist ein lustiges Abenteuer für Kinder im Vorschulalter, das sicherlich auch erwachsenen Zuschauern Spaß machen wird. In der Filmdiskussion skizzierte die Jury den Film als ein rundum schönes Werk, das sie irgendwo zwischen den Astrid-Lindgren-Verfilmungen und ELLIOT DAS SCHMUNZELMONSTER verortet.

Natürlich darf Raff nicht mit zur Schule gehen, und als Dominik das realisiert, ist die Schule auf einmal gar nicht mehr so schön. Das Thema Freundschaft wird in der deutsch-niederländischen Koproduktion MEIN FREUND, DIE GIRAFFE ganz groß geschrieben. In vielen, kleinen Details zeigt sich, dass viel Herzblut und Liebe in dem Film steckt. Die Macher des Films verstehen es grandios, kindliche Neigungen und Phantasien nachzuempfinden und dadurch auch identitätsstiftend für das Publikum zu wirken.

Niemals ist in MEIN FREUND, DIE GIRAFFE ein erhobener, pädagogischer Zeigefinger zu sehen, kein wirklich ernstes Wort zu hören und doch funktioniert das Zusammenleben von Familie, Tieren und Freunden. Natürlich vermisst Dominik Raff. Aber er schließt in der Schule auch neue Freundschaften. Vor allem mit Yous versteht er sich prächtig. Und natürlichvermisst auch Raff seinen treuen Freund und weil der offenbar mehr Interesse an Yous zu haben scheint, ist Raff verständlicher Weise beleidigt.
Die Jury begrüßte die Art, wie in MEIN FREUND, DIE GIRAFFE zwischenmenschliche Beziehungen aus dem Kontext erschlossen werden. Sei es die wenige Zeit, die nur zum Spielen und Arbeiten zur Verfügung steht oder die Art und Weise, wie miteinander gesprochen wird, Dominik, Raff und auch die Eltern müssen im Erleben lernen, was und warum etwas dem jeweils anderen nicht gefällt. Und das funktioniert hervorragend.

Regisseurin Barbara Bredero ist es gelungen, einen in den Niederlande bekannten Kinderreim filmisch umzusetzen. Mit einfachen Schnitten, tollem Licht und einer kindgerechten Kamera schafft sie eine beschwingte Choreographie, schreckt dabei aber auch nicht vor kleinen Wiederholungen zurück, wenn es für die altersgemäße Rezeption wichtig ist. Der Jury haben auch Ausstattung und Setting gefallen, die sowohl für kindgerechte Überschaubarkeit stehen als auch für Heimeligkeit sorgen, was vor allem für das tolle Kinderzimmer von Dominik gilt, mit all den Winkeln und Türen. Unddazu zählt natürlich auch die Giraffe Raff, die im Film als lebensgroßes Kuscheltier erscheint, mit dem Dominik viel Spaß hat.

Besonders erwähnenswert empfindet die Jury die Selbstverständlichkeit, mit der ?MEIN FREUND, DIE GIRAFFE Multikulturalität fördert. Ob ein Mensch braune Augen hat oder blaue, eine dunkle Hautfarbe besitzt oder blass ist, das ist egal, ja sogar ob er oder sie alt oder jung ist, das spielt alles keine Rolle,denn Freundschaften sind an persönliche Werte gebunden, nicht an Herkunft, Religion oder Hautfarbe.

MEIN FREUND, DIE GIRAFFE ist ein wirklich sehenswerter Film für die Vorschulaltersgruppe, ein ?Coming-Of-School-Age?-Film, der vieles von dem vorwegnimmt, was auch Coming-of-Age-Produktionen für eine ältere Zuschauergruppe aufarbeiten: dass Freundschaften etwas Wunderbares sind und es sich dennoch lohnt, die eigene Peer-Group zu erweitern, um neue undauch eigene Erfahrungen zu machen.



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