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Julian Schnabel: A Private Portrait
Julian Schnabel: A Private Portrait
© Weltkino Filmverleih

Kritik: Julian Schnabel: A Private Portrait (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm des Italieners Pappi Corsicato porträtiert den New Yorker Künstler Julian Schnabel nicht nur als Urheber vielbeachteter Werke, sondern auch als Privatmenschen. Man sieht den Maler mit seinen Kindern am Strand und beim Spiel, in verschiedenen Epochen von den 1980er Jahren bis 2014. Die beiden Ehefrauen, die erwachsenen Kinder, die Schwester erinnern sich an das Leben mit ihm, aber dennoch liegt der Fokus des Films auf dem Künstler und seinem Schaffen. Außer Schnabel selbst kommen auch künstlerische Weggefährten und Freunde wie beispielsweise Jeff Koons, Laurie Anderson, Al Pacino, Bono, Willem Dafoe, Emmanuelle Seigner, die Galeristin Mary Boone zu Wort.

Schnabel wird als Egozentriker beschrieben, der immer vollkommen überzeugt ist von dem, was er tut. Und der Maler selbst sagt einmal, man müsse als Künstler einen blinden Glauben haben, dass man das Richtige tue. Trotz des Trubels, der mit dem Erfolg einherging, konnte er seinen Kindern aber offenbar ein glückliches Zuhause bieten. Viele Aussagen kreisen um den emotionalen Ausdruck seiner Werke und die Inspiration, die er aus alltäglichen Erlebnissen bezieht. Corsicato geht chronologisch vor, von der Kindheit bis zur Gegenwart, und bezieht auch das filmische Werk Schnabels größtenteils mit ein. So erinnern sich Darsteller, Produzenten und andere Beteiligte an die Entstehung verschiedener Filme wie "Bevor es Nacht wird" oder "Schmetterling und Taucherglocke", aus denen Ausschnitte gezeigt werden.

Mit seiner Materialfülle, vor allem mit den vielen Personen, die vor der Kamera Stellung nehmen, geht der Inhalt mehr in die Breite, als in die Tiefe. Mit der Zeit neigen die verschiedenen Aussagen zur Überlappung oder gar Wiederholung, ohne dass es zu vertiefenden Erkenntnissen kommt. Der Blick auf den Privatmenschen Schnabel bleibt flüchtig, wohl auch deswegen, weil sich der Porträtierte nur sehr begrenzt öffnet. Porträts wie "David Lynch – The Art Life" oder auch "Neo Rauch – Gefährten und Begleiter" sind wesentlich aufschlussreicher, weil sie den Fokus direkter und intensiver auf die Person richten, um die es geht. Corsicato verlässt sich zu sehr auf die Menge des zusammengetragenen Materials und besitzt anscheinend nicht den Ehrgeiz, nachzubohren, dem Künstler ein wenig auf den Pelz zu rücken.

Fazit: Pappi Corsicatos Porträt des amerikanischen Malers und Filmemachers Julian Schnabel setzt sich breitgefächert aus Statements von Angehörigen, Freunden und künstlerischen Weggefährten zusammen. Auch Schnabel selbst nimmt im Verlauf des chronologisch erzählenden Films wiederholt Stellung und ist bei der Arbeit, aber auch im Privatbereich zu sehen. Der Film ermöglicht einen guten zusammenfassenden Überblick über sein Werk und verrät auch ein wenig über seine Motivation und Persönlichkeit. Allerdings fehlt der filmische Ehrgeiz, zu tieferen Erkenntnissen über den künstlerischen Antrieb des Porträtierten zu kommen.





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