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Kritik: Machines (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Regisseur des Films, Rahul Jain, wollte mit seiner Doku ganz unmittelbar und ungeschönt zeigen, welche Arbeitsbedingungen in einer indischen Textilfabrik herrschen. Er selbst hat Familienmitglieder, die einst in solch menschenunwürdigen Umgebungen täglich schwer schufteten. "Machines" ist sein Debütfilm. Seine Uraufführung feierte das Werk 2016 beim International Documentary Film Festival in Amsterdam. In diesem Jahr wurde "Machines" u.a. auf der DOK Leipzig gezeigt.

Es sind teils enorm widersprüchliche Gefühle, die "Machines" beim Betrachter auslösen. Man ertappt sich nämlich häufiger dabei, wie man ob des Gezeigten mit seinen Emotionen hadert und in einen regelrechten Gewissenskonflikt gelangt. Ein Konflikt, den Regisseur Jain aber auch bewusst heraufbeschwören will. Denn die Impressionen und Vorgänge innerhalb der düsteren Fabrikmauern, mit den immer gleichen maschinellen und industriellen Abläufen, fängt Jain in erhabenen, eleganten Bildern ein.

Der Halle mit ihren unendlich langen Gängen, dem Dampf der rotierenden Motoren und den tausenden, ölverschmierten Maschinen, wohnt auf eine gewisse Art etwas ungemein Poetisches und Sinnliches inne. Auch, weil Jain die Monotonie der Abläufe in solch gelungen aufeinander abgestimmte Bilderfolgen und glänzende Aufnahmen, packt. Dem gegenüber aber – und genau dieser Umstand erzeugt das beklemmende Gefühl – stehen das Leid und die harte Arbeitsrealität des indischen Proletariats. Denn "Machines" versperrt sich keinesfalls der Realität sondern richtet seine Aufmerksamkeit folgerichtig auch auf die (man kann es nicht anders formulieren) modernen Arbeitssklaven.

Dies gelingt Jain durch eine feine Beobachtungsgabe und einen exakten Blick für flüchtige, kurze Momente im schweißtreibenden Alltag, die unter die Haut gehen und beim Kinobesucher lange nachwirken: etwa, wenn die Jüngsten unter den Arbeitern ihre Augen vor Erschöpfung kaum mehr offen halten können, sie bei ihren Tätigkeiten nicht einmal ausreichend vor Regen geschützt sind oder sich in stillen Momenten die Entkräftung Bahn bricht. Dann nämlich, wenn sich die Arbeiter unbeobachtet fühlen. Sinnbildlich steht dafür eine kurze Einstellung im Film, die einen Arbeiter neben dem fertig produzierten Stoff zeigt, der langsam von einer Maschine herunterfällt. Er sitzt neben der Maschine, entkräftet und ausgelaugt, der Oberkörper zusammengesunken und der Kopf zwischen den Knien verschwunden.

Fazit: Unter die Haut gehende, ehrliche und ungeschönte Doku, die dem rauen Arbeitsalltag in einer indischen Textilfabrik, fein komponierte Bilderfolgen von widersprüchlicher Schönheit entgegenstellt.





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