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Nobody's Watching
Nobody's Watching
© Pro Fun Media

Kritik: Nobody's Watching (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Regisseurin Julia Solomonoff ließ sich für ihren neuen Film von der eigenen Biografie inspirieren: Die 50-Jährige stammt selbst aus Argentinien und hat mittlerweile ihren Lebensmittelpunkt in New York. "Nobody’s Watching" ist ihr dritter Spielfilm, nach "Hermanas" (2009) und "Mein Sommer mit Mario" (2015). Zuvor inszenierte sie in erster Linie Kurzfilme. "Nobody’s Watching" feierte seine Premiere auf dem letztjährigen Tribeca Film Festival in New York.

Wie wirkt sich der Ort, an dem man lebt, auf die eigene Persönlichkeit aus? Wie beeinflusst er, wer und was wir sind? Und welche Freiheiten eröffnet einem ein Neustart in einer fremden Stadt? Diesen Fragen geht der Film "Nobody‘s Watching" nach, den Regisseurin Solomonoff als feinfühliges, lebensnahes Selbstfindungs-Drama anlegt. Ein Drama, das von einem stimmig ausbalancierten Gleichgewicht aus schwermütigen Tönen und heiteren Momenten lebt. Nicht ganz so (emotional) ausgeglichen kommt die Hauptfigur des Films daher, die Guillermo Pfening natürlich und dringlich verkörpert.

Ausdrucksstark kehrt Pfening das Innere seiner Figur nach außen. Und macht in besonders eindringlichen Augenblicken anhand seines ausgefeilten Mimik-Spiels immer wieder deutlich, dass seine Figur sehr unter dem Ende der jüngsten Beziehung leidet. Untermauert wird dieser Umstand noch von zahlreichen Rückblenden in die Vergangenheit, die Nico und Martin in glücklichen Zeiten zeigen.

Doch "Nobody’s Watching" ist mitnichten ein traurig stimmendes, bedrückendes Drama über einen sich verloren fühlenden Getriebenen. Stattdessen lässt der Film viel Raum für sympathischen, charmanten Witz, etwa wenn sich Nico in seiner neuen Rolle als Babysitter versucht – und sich beim Windeln wechseln sichtlich abmüht, während das Baby schreit und sich die anderen Mütter köstlich amüsieren. Ebenso wie der Kinobesucher.

"Nobody’s Watching" handelt letztlich von einem Mann in seinen späten Dreißigern, dessen Neustart anders verläuft als geplant. Ein Mann, der jedoch in seinen neuen Rollen langsam aufblüht und letztlich voll und ganz darin aufgeht. Die Tatsache, dass es mit der Schauspielerei nicht klappt, verschafft ihm zudem eine neu gewonnene Freiheit, da er in New York auf der Straße schlicht nicht erkannt wird. Bis Nico dies zu schätzen weiß, dauert es ein bisschen. In einer der schönsten Sequenzen, die Nico beim ausgelassenen Herumturnen in der U-Bahn zeigt, wird seine ganze Freude und Erleichterung darüber offensichtlich.

Fazit: Glaubhaft und unverkrampft erzählt das famos gespielte, unsentimentale Immigranten-Drama von der komplizierten Suche nach dem eigenen Selbst und den intimsten Sehnsüchten. Und mixt dafür nuancierten Witz mit nachdenklichen Tönen.




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