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Kritik: Die Rüden (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Bereits vor rund acht Jahren lernten sich Regisseurin Connie Walther und Nadin Matthews, Inhaberin einer Hundeschule, Dozentin, Autorin und Ausbilderin, kennen. Aus dieser Bekanntschaft der beiden Frauen erwuchs allmählich die Idee zum Film "Die Rüden". Die aus Darmstadt stammende Filmemacherin Walther dreht seit mittlerweile fast 25 Jahren Filme. Bekannt wurde sie Ende der 90er-Jahre durch ihren TV-Film "Hauptsache Leben", für den sie den Adolf-Grimme-Preis erhielt.

In "Die Rüden" verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation. Von der ersten Minute an wirkt der Film stellenweise eher wie eine dokumentarische, rein beobachtende Arbeit, in der es um Themen wie Resozialisierung, (Vor)Verurteilung, dem Entstehen von Aggression, Freiheit und das eigene Selbst geht. Die Straftäter im Film sind auch im wahren Leben verurteile Gewaltverbrecher, für den Film wurden sie jedoch mit erdachten Lebensläufen und Namen ausgestattet. Wie Lu (gespielt von einer kühl, unnahbar agierenden Nadin Matthews, auf deren Konzept Idee und Grundgedanke des Films beruhen) hier die menschlichen und tierischen Darsteller unmittelbar miteinander agieren und "experimentieren" lässt, verströmt eine zutiefst faszinierende, bisweilen fast surreale Aura.

Denn die erfahrene Hundetrainerin kehrt letztlich zu den uns alle betreffenden Urinstinkten der Menschen zurück und taucht tief in die Psyche der Protagonisten ein – die bei der Begegnung mit den brandgefährlichen, aggressiven Hunden mit ihrer eigenen Wut, dem gestörten Selbstbild, Jähzorn und der individuellen Feindseligkeit konfrontiert werden. Der Eindruck des Surrealen, des Unwirklichen und Dystopischen, entsteht, da Walther ihren Film in einer jenseits aller Zivilisation befindlichen, ebenso kargen wie düsteren Arena im Nirgendwo spielen lässt.

Es ist ein reduziertes, minimalisches Setting, das auf den Betrachter, nicht zuletzt aufgrund der betont dunkel gehaltenen Bilder, unheilvoll und bedrohlich wirkt. Die Außenwelt spielt – abgesehen von der beobachtenden "Instanz" (der Gefängnisleitung) – nur bedingt eine Rolle. Auch darin versteckt sich eine Botschaft: Ob man sich im Leben frei und fair behandelt fühlt, ob man von Feindseligkeit und Wut geprägt ist und wie man die Welt um sich herum letztlich bewertet, all dies passiert in uns selbst, im Inneren des Menschen.

Fazit: Verstörendes und provokatives, aber jederzeit spannendes und enorm aufschlussreiches filmisches Experiment über den Ursprung von Gewalt und Aggression.




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