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Kritik: Spielmacher (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Timon Modersohn überrascht als sehr spannendes Gangsterdrama, das im Milieu der Sportwetten angesiedelt ist. Allein in Deutschland gibt es über 4500 private Wettanbieter und auf dem schnell gewachsenen Markt, der sich zum allergrößten Teil auf den Fußball konzentriert, werden Milliarden umgesetzt. Auf diesem Terrain hat sich auch die organisierte Kriminalität eingenistet, deren Kontakte bis nach Asien reichen. Sie greift manipulierend in den Verlauf von Spielen ein und verhöhnt somit die Fußballbegeisterung von Millionen Menschen, die nicht wissen, dass das Geschehen auf dem Rasen womöglich gerade anderen als nur sportlichen Regeln folgt.

Ivo ist noch jung, aber schon eine verkrachte Existenz. Als Ex-Fußballspieler mit großem Talent verkörpert er den idealistischen Geist des Sports. Aber Ivo ist auch korrumpierbar, er lässt sich vom schnellen Geld verführen, das ihm der Wettveranstalter und Gangster Dejan anbietet. Zunächst sieht übrigens alles noch legal aus, Ivo soll Dejan Tipps geben, Prognosen, Einschätzungen von Spielern und Mannschaften, aber bevor er es noch richtig begreift, steckt er schon Hals über Kopf in einem mörderischen Treiben. Frederick Lau spielt Ivo als undurchsichtigen, verschlossenen Charakter. Dieser bekommt vom Publikum einen Vertrauensbonus, aber es kann sie nie sicher sein, ob Ivo im Inneren wirklich moralisch integer geblieben ist oder nicht. So vertieft sich der Film fesselnd und realitätsnah in die Frage, ob sich einer wie Ivo seine Träume und Überzeugungen, sein Wesen abkaufen lässt, weil das Gras auf der anderen Seite grüner ist.

Ein wichtiges Thema ist auch die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Ivo fühlt sich den ehrlichen, geradlinigen Werten des Ruhrgebiets verbunden, aber auch der Erfahrung, dass sie nicht unbedingt zu Wohlstand und Erfolg führen. Dejan, vom charismatischen Oliver Masucci als Naturgewalt gespielt, bietet Ivo eine Ersatzfamilie und materiellen Gewinn an. Ivos dramatischer Konflikt um Werte und Entscheidungsfreiheit beschert der unvorhersehbaren Handlung eine überraschende Auflösung.

Visuell wird der spröde Charme des Ruhrgebiets mit seinen ikonenhaften Industriebauwerken sehr stimmig eingefangen. Es geht eine wuchtige Energie von diesem Film aus, kombiniert mit einer melancholischen Stimmung, in die sich auch die Sehnsucht nach dem Aufbruch mischt. Timon Modersohn beweist mit diesem überzeugenden, packenden Film sein Talent als Filmemacher.

Fazit: Mit diesem wuchtigen Spielfilmdebüt, in dem es um Wettgeschäfte mit manipulierten Fußballspielen geht, beweist der Regisseur Timon Modersohn auf eindrucksvolle Weise sein Talent. Sein Gangsterdrama erzählt sehr spannend, wie der von Frederick Lau gespielte Hauptcharakter aus seiner Rolle als Underdog ausbrechen will und auf die schiefe Bahn gerät. Der Konflikt zwischen der idealistischen Fußballbegeisterung des Ex-Sportlers und den Versuchungen des großen Geldes wird mit radikaler Kraft durchdekliniert.




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