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Kritik: Kindeswohl (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Kindeswohl" verfilmt der Brite Richard Eyre ("Iris", "Tagebuch eines Skandals") den gleichnamigen, 2014 veröffentlichten Roman seines Landsmannes Ian McEwan, welcher auch das Drehbuch verfasste. Die Geschichte ist eine Mischung aus Gerichts- und Charakterdrama, deren Schwerpunkt auf den Folgen einer gerichtlichen Entscheidung liegt. Während das Werk zunächst den Fall eines (gerade noch) Minderjährigen schildert, der aus religiösen Gründen eine medizinisch notwendige Bluttransfusion ablehnt, geht es alsbald um die Situation nach dem Urteil.

Im Zentrum des Films steht die Londoner Familienrichterin Fiona Maye. Dem Skript und der Inszenierung gelingt es, den Arbeitsalltag am Obersten Gerichtshof glaubhaft und mit gutem Gespür für Details einzufangen und dabei zugleich die Komplexität der Hauptfigur aufzuzeigen. Fiona ist in ihrem Berufsleben stets aufmerksam und versiert; gleichwohl wird sie nicht zu einer strahlenden Heldin stilisiert. Ihr Umgang mit ihrem ergebenen Assistenten Nigel ist ebenso fragwürdig wie ihre Achtlosigkeit in der Ehe mit dem Professor Jack. So entsteht ein interessanter Charakter, der sowohl auf professioneller als auch auf privater Ebene mit moralischen und zwischenmenschlichen Konflikten konfrontiert wird.

Emma Thompson liefert eine hervorragende Leistung, in welcher die zahlreichen Facetten Fionas auf die Leinwand gebannt werden. Ihr Zusammenspiel mit Stanley Tucci als Fionas Gatte ist ebenso stimmig wie ihre spannungsvolle Interaktion mit dem Nachwuchstalent Fionn Whitehead ("Dunkirk"), der den krebskranken 17-Jährigen, über dessen Schicksal Fiona entscheiden muss, mit erstaunlicher Intensität verkörpert.

Eine Krankenhausszene gegen Ende gerät in ihrer Gestaltung leider zu überspitzt; sonst trifft Eyre mit seinem großartigen Ensemble jedoch immer den richtigen Ton. Die audiovisuelle Umsetzung ist souverän; insbesondere die Kameraführung von Andrew Dunn verhindert, dass das dialoggetriebene Werk eine allzu theatrale Anmutung erhält.

Fazit: Eine eindrückliche Arbeit, die sich auf juristischer und persönlicher Ebene mit moralischen Fragen befasst. Die Figurenzeichnung ist vielschichtig, das Schauspiel exzellent.




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