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Wir töten Stella
Wir töten Stella
© AV Visionen © Picture Tree International GmbH / epo-film / Dieter Nagl

Kritik: Wir töten Stella (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Die Wand" adaptierte der 1954 in der Steiermark geborene Julian Pölsler im Jahre 2011 erstmals ein Werk der ebenfalls aus Österreich stammenden Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970). Nun folgt mit "Wir töten Stella" die zweite Bearbeitung einer Haushofer-Vorlage; die gleichnamige Novelle, welche 1958 – fünf Jahre vor dem großen Erfolg "Die Wand" – veröffentlicht wurde, schildert die (Zer-)Störung einer wohlsituierten Familie durch das Eintreffen der titelgebenden jungen Frau – erzählt aus der Ich-Perspektive der Ehegattin und zweifachen Mutter. Wie schon in der Adaption von "Die Wand" hat Martina Gedeck die Hauptrolle übernommen – und liefert eine gewohnt intensive Leistung.

Die teilweise enigmatischen Geschehnisse werden uns aus der Rückschau, als Reflexions- und Verarbeitungsprozess der Protagonistin Anna präsentiert. Via voice-over hören wir die Gedanken der unglücklichen Familienmutter, die das Vergangene zu Papier bringen will, um damit abschließen zu können. Dank der ausdrucksstarken Stimme von Martina Gedeck sowie deren Mienenspiel, welches trotz Zurückhaltung stets spannungsreich ausfällt, sind diese Passagen überaus gelungen. Und auch die Interaktionen zwischen den Figuren werden interessant gestaltet: Die Inszenierung lässt uns die Entfremdung zwischen den Familienmitgliedern auf schmerzhafte Art und Weise spüren; die artifiziellen Dialoge verleihen den Begebenheiten etwas extrem Kaltes. Annas Albträume werden in wirkungsvolle Bilder, die bewusst an "Die Wand" erinnern, gefasst; diverse Handlungselemente – etwa die Affäre zwischen Annas Mann Richard und Stella – werden (zunächst) lediglich angedeutet. Der Film widmet sich den Sujets Schuld und Hypokrisie und lässt an manchen Stellen an das Œuvre von Michael Haneke denken, welcher in seinem jüngsten Werk "Happy End" ähnlich hart die Abgründe hinter einer bürgerlichen Fassade zeigte.

Insbesondere die Figur des adoleszenten und introvertierten Sohns Wolfgang – überzeugend verkörpert von dem Leinwanddebütanten Julius Hagg – gibt der Geschichte etwas Modernes: Wolfgang ist Beobachter der Vorfälle und der innerfamiliären Risse – und filmt den Niedergang mit seinem Smartphone. Bemerkenswert ist zudem die Darbietung der 1996 geborenen Mala Emde, die die Tragik der Studentin Stella bezwingend interpretiert.

Fazit: Eine rätselhaft-sperrige, doch durchweg einnehmende Literaturverfilmung mit herausragender Besetzung.




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