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Auf Ediths Spuren (2017)

Tracking Edith

Familiengeheimnis: Peter Stephan Jungk spürt in diesem Dokumentarfilm seiner Großtante Edith Tudor-Hart nach, die für den KGB spionierte.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Edith Tudor-Hart hatte viele Leben. Als Edith Suschitzky 1908 in Wien in ein sozialistisches Elternhaus geboren, macht sie zunächst eine Ausbildung zur Montessori-Kindergärtnerin. Über den Chemiker Arnold Deutsch gelangt sie in kommunistische Kreise, bevor sie 1929 am Bauhaus in Dessau Fotografie studiert. Ein Aufenthalt in England, bei dem sie den Kommunisten Alexander Tudor-Hart kennen und lieben lernt, endet mit ihrer Ausweisung. Zurück in Wien arbeitet sie als Fotografin unter anderem für die sowjetische Nachrichtenagentur TASS. Als Kurier der Kommunistischen Partei Österreichs sitzt sie für einen Monat im Gefängnis. 1933 emigriert sie schließlich nach England, wo sie Kim Philby, einen der wichtigsten Spione des 20. Jahrhunderts, rekrutiert.

Der Autor Peter Stephan Jungk ist tief in das abenteuerliche Leben seiner jüdischen Großtante eingetaucht und hat daraus seinen ersten abendfüllenden Kinofilm gemacht. Er hat sich mit Historikern und ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern, mit Verwandten und Archivaren getroffen, um all die Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Dabei beleuchtet er nicht nur Edith Tudor-Harts Verquickung mit der Sowjetunion, sondern auch ihre bis heute bedeutende Arbeit als sozialkritische Fotografin und ihr bewegtes Privatleben um unglückliche Liebschaften und ihren kranken Sohn, das 1973 endet.

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Als Edith Tudor-Harts Geheimdiensttätigkeiten lange nach ihrem Tod an die Öffentlichkeit kamen, hätten viele ihrer Angehörigen nicht daran geglaubt, lässt Peter Stephan Jungk aus dem Off wissen. Der Großneffe Ediths hat sich daran gemacht, das zu ändern. In akribischer Kleinstarbeit hat er Schnipsel um Schnipsel aus dem abenteuerlichen Leben seiner Verwandten zusammengetragen, sich mit Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Experten getroffen.

Jungk nimmt sein Publikum direkt an die Hand, wenn er zu alten Fotos und Schwarz-Weiß-Filmen Edith Tudor-Harts Werdegang aus dem Off rekapituliert. Wenig später setzt sich der Regisseur schließlich selbst mit ins Bild, um mit Schriftstellern und ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern zu diskutieren, mit Historikern Akten zu wälzen oder gemeinsam mit einem Dolmetscher in die Archive zu steigen. Jungks komplizierte Suche, das Abbilden seines steinigen Wegs zur Wahrheit ist stets Teil dieses Dokumentarfilms.

Was er dabei zutage fördert, ist das vielschichtige Bild einer selbstbewussten Frau mit Haltung. Manch einer der Interviewpartner verklärt diese allerdings allzu schnell und von Jungk unhinterfragt zur Heldin weltpolitischen Ausmaßes. Das ist meist aufschlussreich, hat aber auch einige Längen, da der Regisseur besonders in Russland wiederholt gegen eine Mauer des Schweigens läuft. Immer dann, wenn Jungk kein geeignetes Archivmaterial hat, um einen entscheidenden Lebensabschnitt zu bebildern, behilft er sich mit Animationen, die den Erzählfluss deutlich beleben. Schlussendlich ergeht es "Auf Ediths Spuren" aber wie den in der Dokumentation erwähnten, realistischen Agentenfilmen: Für wirkliche Spannung ist der Stoff schlicht zu dröge.

Fazit: "Auf Ediths Spuren" ist ein sehr persönliches Porträt einer selbstbewussten, vielschichtigen Frau, von deren Bedeutung die Weltöffentlichkeit lange nichts wusste. Regisseur Peter Stephan Jungk vermittelt seinen Stoff über weite Strecken allerdings zu dröge.




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Land: Österreich
Jahr: 2017
Genre: Dokumentation
Länge: 91 Minuten
Kinostart: 09.11.2017
Regie: Peter Stephan Jungk
Darsteller: Misha Donat, Duncan Forbes, Barbara Honigmann
Verleih: Basis-Film

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