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Kritik: Auf Ediths Spuren (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Als Edith Tudor-Harts Geheimdiensttätigkeiten lange nach ihrem Tod an die Öffentlichkeit kamen, hätten viele ihrer Angehörigen nicht daran geglaubt, lässt Peter Stephan Jungk aus dem Off wissen. Der Großneffe Ediths hat sich daran gemacht, das zu ändern. In akribischer Kleinstarbeit hat er Schnipsel um Schnipsel aus dem abenteuerlichen Leben seiner Verwandten zusammengetragen, sich mit Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Experten getroffen.

Jungk nimmt sein Publikum direkt an die Hand, wenn er zu alten Fotos und Schwarz-Weiß-Filmen Edith Tudor-Harts Werdegang aus dem Off rekapituliert. Wenig später setzt sich der Regisseur schließlich selbst mit ins Bild, um mit Schriftstellern und ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern zu diskutieren, mit Historikern Akten zu wälzen oder gemeinsam mit einem Dolmetscher in die Archive zu steigen. Jungks komplizierte Suche, das Abbilden seines steinigen Wegs zur Wahrheit ist stets Teil dieses Dokumentarfilms.

Was er dabei zutage fördert, ist das vielschichtige Bild einer selbstbewussten Frau mit Haltung. Manch einer der Interviewpartner verklärt diese allerdings allzu schnell und von Jungk unhinterfragt zur Heldin weltpolitischen Ausmaßes. Das ist meist aufschlussreich, hat aber auch einige Längen, da der Regisseur besonders in Russland wiederholt gegen eine Mauer des Schweigens läuft. Immer dann, wenn Jungk kein geeignetes Archivmaterial hat, um einen entscheidenden Lebensabschnitt zu bebildern, behilft er sich mit Animationen, die den Erzählfluss deutlich beleben. Schlussendlich ergeht es "Auf Ediths Spuren" aber wie den in der Dokumentation erwähnten, realistischen Agentenfilmen: Für wirkliche Spannung ist der Stoff schlicht zu dröge.

Fazit: "Auf Ediths Spuren" ist ein sehr persönliches Porträt einer selbstbewussten, vielschichtigen Frau, von deren Bedeutung die Weltöffentlichkeit lange nichts wusste. Regisseur Peter Stephan Jungk vermittelt seinen Stoff über weite Strecken allerdings zu dröge.





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