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Kritik: Maybe, Baby! (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Während Sascha (Marc Ben Puch) die Kinder seiner Freunde und Bekannten total süß findet, hat seine Freundin Marie (Julia Becker), die nach dem Sex im Bett gerade akrobatisch eine Kerze vollführt, nur einen Spruch dafür übrig: "Jo Babys, ich sach mal, kennste eins, kennste alle!" Das setzt vorneweg den Ton.

Der Humor ist trocken und kommt wie aus der Pistole geschossen. Die Charaktere sind wunderbar getroffen, nicht nur weil Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Julia Becker sie bei den alltäglichsten Verrichtungen zeigt, die andere Filme gern ausblenden, sondern auch, weil jeder solche Typen von der Schule, Arbeit oder aus dem Freundeskreis kennt. Er ist ein Spießer mit Haarausfall, der seine Hemden bügelt, sie ein Wirbelwind, die mit "Batman"-Schlüpfer zu ihrem Lover radelt.

Ohne die Eigeninitiative von Julia Becker und Produzentin Frauke Kolbmüller hätte es "Maybe, Baby!" (zumindest in dieser Form) nicht gegeben. Weil Becker ihr Regiedebüt frei und unabhängig umsetzen wollte, verzichtete sie auf staatliche Förderung und Beteiligung von Sendern, was auch ein Mitspracherecht von Redakteuren bedeutet hätte. Mithilfe einer Corwdfunding-Kampagne stellten Becker und Kolbmüller ihren Film innerhalb eines Jahres auf die Beine. Diese Freiheiten sind die große Stärke dieses tragikomischen Kammerspiels auf der Alm, in dem Lebensmodelle verhandelt, Grenzen neu gezogen und Beziehungen beendet werden.

"Maybe, Baby!" ist flott erzählt. Bei nicht einmal 80 Minuten Laufzeit hat Becker keine Zeit zu verlieren. Die ersten zwei überraschenden Wendepunkte packt sie dann auch gleich in die erste Viertelstunde des Films. Zwischendurch geht ihr die Luft leider etwas aus. Mit der Pattsituation in der Berghütte erlahmt auch etwas die Handlung. Schöne Einfälle und vor allem ehrliche Gespräche wie die achtminütige, ungeschnittene Aussprache zwischen Marie und Sascha gelingen Julia Becker aber auch hier. Das größte Manko bleibt die, wohl dem Budget geschuldete, visuelle Umsetzung. Hier erinnert "Maybe, Baby!" eher an einen Fernseh- denn an einen Kinofilm.

Fazit: Julia Beckers Regiedebüt "Maybe, Baby!" ist eine flott erzählte, tragikomische Beziehungskomödie, die durch schlagfertigen Humor und realistisch gezeichnete Figuren und Alltagsbeobachtungen überzeugt. Visuell erinnert die witzige Bestandsaufnahme orientierungsloser Mittdreißiger allerdings mehr an einen Frenseh- denn an einen Kinofilm.




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