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Der Buchladen der Florence Green
Der Buchladen der Florence Green
© Capelight Pictures

Kritik: Der Buchladen der Florence Green (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die spanische Regisseurin Isabel Coixet erzählt in diesem im England der 1950er Jahre angesiedelten Drama die Geschichte einer Frau, die den Mut hat, ihren Traum eines eigenen Buchladens zu verwirklichen. Die Liebe dieser Florence Green zu Büchern und Literatur, also zur Befreiung des Geistes aus den engen Schranken der örtlichen Verhältnisse, prägt die gesamte Atmosphäre. Emily Mortimer führt in der Rolle dieser sympathischen Frau ein reizvolles Ensemble englischer Charaktere an. Diese gelungene Adaption des Romans "Die Buchhandlung" von Penelope Fitzgerald schildert sehr treffend und unterhaltsam, wie die junge Frau frischen Wind in das komplizierte Gefüge eines provinziellen Kosmos bringt.

Eine Buchhandlung zu eröffnen, ist wie die Einrichtung einer zauberhaften Schatzkammer. Florence betrachtet jedes literarische Werk liebevoll, das sie ins Regal stellt. Sie ist geistig unabhängig und will sich auch in die soziale Hierarchie nicht einordnen. So lockt sie den einsamen Mr. Brundish aus der Reserve, der wieder neugierig auf das Leben wird. Bill Nighy in dieser Rolle eines englischen Eigenbrötlers zu sehen, linkisch, vornehm und mit Sinn für Humor, ist ein besonderes Vergnügen. Auch Emily Mortimer wirkt ihre Rolle wie auf den Leib geschrieben, mit dem Hang zur Unscheinbarkeit, in den sich aber Tatendrang und Pragmatismus mischen. Florences Garderobe wirkt auf den ersten Blick immer etwas zu brav, dabei unterstreicht die Kleidung mit den feinen Mustern und gedeckten Farben ihre natürliche Eleganz.

Dass Isabel Coixet Frauenfiguren empfindsam porträtiert, ist keine Überraschung, aber ihr unbestechlicher Blick auf die englische Provinz schon. Der vollmundig zynische Aufschneider Milo North - von Lames Lance schwungvoll gespielt – und ein begriffsstutziger alter General (Reg Wilson) reihen sich in die Kette markanter und doch realitätsnaher Typen ein.

Die Poesie, die dem Thema innewohnt und auch in der Landschaft ihr Pendant findet, drückt Coixet visuell sehr ansprechend aus. Eine wiederkehrende Aufnahme der nachdenklichen, von den zunehmenden Widerständen geplagten Florence sieht aus wie ein Jugendstil-Gemälde. Dieser Film der leisen Töne berührt das Herz und belebt die Sinne. Er bleibt dabei auch differenziert genug, um bis zum Schluss die ausgetretenen Pfade der Kinounterhaltung zu meiden.

Fazit: Isabel Coixet ist eine bezaubernde Verfilmung des Romans "Der Buchladen" von Penelope Fitzgerald gelungen. Mit Darstellern wie Bill Nighy und Patricia Clarkson vertieft sie sich souverän und einfühlsam in das erstarrte soziale Gefüge einer englischen Provinzgemeinde der 1950er Jahre, in der die junge Titelfigur mit der Eröffnung eines Buchladens für Unruhe sorgt. Die Hauptrolle wirkt Emily Mortimer wie auf den Leib geschrieben, denn der optimistische Elan dieses freien, sanft rebellischen Geistes wird stets von elegantem Understatement begleitet.




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