VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Koxa
Koxa
© Alpha Centauri Studios

Kritik: Koxa (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Ekrem Engizek hat sich für sein Regiedebüt zwei Produzenten mit Erfahrung im Bereich günstig hergestellter Genrefilme ins Boot geholt. Timo Joh. Mayer und Benjamin Eicher, die ihr Geld mittlerweile mit 3D-Naturdokumentationen verdienen, sind die Köpfe hinter dem trashigen Amateurstreifen "Dei Mudder sei Gesicht" (1997) und dessen Fortsetzungen. In Süddeutschland haben die überdrehten Parodien längst einen gewissen Kultstatus erlangt. Dass auch "Koxa" wenig Budget hatte, sieht man dem Drogendrama in seinen schlechten Momenten an. In den guten erzeugen das natürliche Spiel der Laien, die unverstellten Dialoge und die authentischen Drehorte eine beinahe schon dokumentarische Glaubwürdigkeit.

Hauptfigur Cenk (Tito Uysal) dient als Verbindungsglied zwischen den nur lose miteinander zusammenhängenden und nicht vollständig aufgelösten Handlungssträngen. Engizek, der auch das Drehbuch schrieb und die Kamera führte, reißt zwar vieles an, erzählt es aber nicht konsequent zu Ende. Mancher Konflikt wirkt dadurch bis zum Schluss lediglich behauptet. Durch die episodische Struktur, die Konstellationen des Genres zwar andeutet – etwa den Rückkehrer aus dem Gefängnis oder den Zahlungsverzug beim Boss –, aber nicht weiterverfolgt, fehlt "Koxa" zudem eben jene Dynamik, die die treibenden Hip-Hop-Beats des Soundtracks beständig vorgeben. Die wenigen, gezielt gesetzten Gewaltausbrüche wirken darin wie Fremdkörper. Wer einen temporeichen Gangsterfilm erwartet, ist im falschen Film.

Stattdessen bietet "Koxa" eine Art Panoptikum kleinkrimineller Dealer und ihrer Kunden, deren Leben sich im Kreis dreht. Dementsprechend gleichen sich viele der meist langen, ungeschnittenen Aufnahmen von Wohnungen, Parkplätzen und Bushaltestellen, in, auf und an denen die Figuren (derbe) Gespräche über Drogen und Sex führen. Es ist eine frauenfeindliche Machowelt, in die der Filmemacher seine Zuschauer entführt. Für eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung damit fehlt dem Drama allerdings die Tiefe. So wenig Ekrem Engizek innerhalb einer Szene auf Details schneidet, so wenig blickt er hinter die harte Fassade seiner Charaktere. Wer diese (gar nicht mehr so) jungen Männer jenseits ihres Drogenkonsums sind, erfährt das Publikum so gut wie gar nicht.

Fazit: Ekrem Engizeks Regiedebüt entführt seine Zuschauer in die Welt gelangweilter Drogendealer und langweilt damit schnell selbst. Während die Sprache und das Spiel der Laien noch ansatzweise überzeugen, krankt "Koxa" vor allem an dürftig ausgearbeiteten Charakteren und einer nicht vorhandenen Dramaturgie. Dieses Drogendrama ist nicht auf Koks, sondern auf Schlaftabletten.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.