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Lux - Krieger des Lichts
Lux - Krieger des Lichts
© Zorro Film © 24 Bilder

Kritik: Lux - Krieger des Lichts (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Kinofilmdebüt des deutschen Regisseurs und Drehbuchautors Daniel Wild erzählt das Drama eines Berliner Real Life Superheros, der sich in einem Labyrinth aus Manipulationen und Scheinwirklichkeiten verirrt. Schuld daran ist ein Filmteam, das einen Dokumentarfilm über ihn drehen will und sich an die Vorgaben des Produzenten hält. Der verlangt gestellte Szenen, in denen Lux, der Krieger des Lichts, groß herauskommen soll. Nur wird Torsten, der Normalsterbliche hinter der Maske von Lux, nicht darüber informiert, was an den Szenarien, in die er auf der Straße gerät, überhaupt noch echt ist.

Es beginnt alles ganz harmlos, mit Interviews, die Torsten in der Maske von Lux auf dem Dach eines Wohnblocks gibt. Oder mit Besuchen, die das Filmteam bei Torstens Mutter Luise (Eva Weißenborn) macht. Sie schildert Torstens kindliche Seite, wie er schon als kleiner Junge am liebsten Batman gewesen wäre, doch das Geld reichte nur für ein Marienkäferkostüm. Noch heute scheint Torsten nicht ganz in der wiedervereinigten deutschen Realität angekommen zu sein, in der seine Mutter nie richtig Fuß fasste. Aber er will wohl auch ihr Held sein, sie retten. Franz Rogowskis Gegner auf der Straße sind nicht irgendwelche Kriminelle, die auch der Filmproduzent Brandt nicht auf Kommando herbeizaubern kann. Es sind Typen wie der Filialleiter eines Cafés, der die nicht verkauften Brötchen am Ende des Tages lieber in die Mülltonne wirft, als sie Lux für seine Obdachlosen zu überlassen.

Noch grundsätzlicher aber ist Torstens Auseinandersetzung mit zwei anderen Gegnern. Der eine ist seine kindliche Maskerade, ohne die er glaubt, nicht stark genug zu sein, der andere ist das Filmprojekt, das Lux systematisch umschreibt, um in den sozialen Medien Zuschauer anzulocken. Torsten verliert sein Herz an die Stripperin Kitty (Kristin Suckow) und weiß nicht, dass er auch dabei einem geheimen Drehbuch auf den Leim geht. Franz Rogowski stellt Torsten sehr überzeugend und facettenreich dar mit seiner Naivität, Unreife, seinem Idealismus und Mut.

Wild demonstriert eindrücklich, wie schwer, wenn nicht gar unmöglich es werden kann, zwischen Fake und Wirklichkeit in sozialen Medien und Videoberichten zu unterscheiden. Aber er dreht diese Spirale der Schein-Authentizität zu weit, Mitglieder des Filmteams werden auch an der Nase herumgeführt und wissen nicht, wer wirklich die Strippen zieht und wie viele Film-im-Film-Ebenen es noch gibt.

Fazit: Im Spielfilmdebüt des Regisseurs Daniel Wild verliert ein Berliner Real Life Superhero, über den ein Dokumentarfilm gedreht werden soll, zunehmend die Kontrolle über seine Identität. Hauptdarsteller Franz Rogowski verleiht dem Drama mit seinem facettenreichen Spiel Glanz. Das hochaktuelle Thema vorgegaukelter Authentizität in sozialen Medien, Nachrichten und Internetvideos wird mit anschaulichen Beispielen durchdekliniert, aber der Film vergisst die Reißleine rechtzeitig vor dem allgemeinen Orientierungsverlust zu ziehen.




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