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Your Name. - Gestern, heute und für immer
Your Name. - Gestern, heute und für immer
© Universum Film

Kritik: Your Name. - Gestern, heute und für immer (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Hierzulande ging Makoto Shinkais "Your Name." den umgekehrten Weg. Mit einem Roman und einem Manga erschienen vor dem eigentlichen Film zunächst zwei seiner Ableger. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Kinostart in Japan kommt das dazugehörige Zeichentrickphänomen auch auf die deutschen und österreichischen Leinwände. Der Regisseur erklärt seinen Überraschungserfolg mit der Sehnsucht japanischer Jugendlicher nach einer "boy-meets-girl story", wie es sie in seinem Heimatland schon länger nicht mehr gegeben habe. Diese Sehnsucht scheint auch andernorts groß. In China und Südkorea etwa lösten viele Zuschauer wie bei ihren asiatischen Nachbarn gleich mehrmals ein Ticket. Dass "Your Name." zum erfolgreichsten Anime aller Zeiten avancierte, dürfte dann auch mehr mit romantischen als mit den fantastischen Elementen der Geschichte zusammenhängen.

Es sind vor allem Makoto Shinkais liebevoll gezeichnete, universell verständliche Figuren, die für große Anschlussfähigkeit sorgen. Durch Gegensätze holt Shinkai, der auch das Drehbuch schrieb, ein möglichst breites Publikum ab. Der gelangweilten, stets höflichen Mitsuha stellt er den gestressten, forschen Taki gegenüber. Hier Ruhe, Tradition und Beschränkung, dort Lärm, Moderne und Möglichkeit. Mädchen wie Jungen, Frauen wie Männer erkennen sich in den beiden Hauptfiguren wieder. Gestresste Großstädter, die von der ländlichen Idylle träumen, wie gelangweilte Dörfler, die sich Tokios Trubel wünschen, Menschen, die sich in der Anonymität der Metropolen einsam und entwurzelt fühlen oder schlicht nach einer zweiten Chance sehnen, können sich allesamt problemlos mit den Charakteren identifizieren.

Der Filmemacher setzt diese in ein Szenario, das das überraschte Staunen des Fantastischen Films mit dem Humor einer Verwechslungskomödie, der Tragik eines Katastrophenfilms und dem Charme eines Liebesfilms paart. Der Wunsch nach einer/m Seelenverwandten bedient die von Shinkai angesprochene Sehnsucht voll und ganz. Durch sein Spiel mit den Geschlechtern stellt der Regisseur zudem nicht nur tradierte Rollenbilder lustvoll infrage, sondern spricht auch einem jungen Publikum aus der Seele, das längst keine so engen Geschlechtergrenzen mehr zieht.

Was die Qualität der Zeichnungen, den Einfallsreichtum der Geschichte und den Erzählfluss der Handlung betrifft, ist "Your Name." allerdings ein gutes Stück entfernt von den Produktionen des in Japan lange Zeit tonangebenden Studios Ghibli. Makoto Shinkai will dessen märchenhaften Stil um Aushängeschild Hayao Miyazaki ("Mein Nachbar Totoro", "Prinzessin Mononoke", "Chihiros Reise ins Zauberland") aber auch gar nicht kopieren. Trotz der übersinnlichen Komponente ist "Your Name." ein geerdetes Werk, das tiefer in (Sub-)Genres wie dem Liebes- und Coming-of-Age- denn im Fantastischen Film wurzelt. Und auch wenn der häufige, nicht immer schlüssig erklärte Wechsel der Körper mitunter verwirrt, gelingt es dem Regisseur dank zweier überzeugender Hauptfiguren sein Publikum bis zum Schluss mitfiebern zu lassen.

Fazit: Makoto Shinkai ist nicht Hayao Miyazaki und "Your Name" von der Perfektion einer "Prinzessin Mononoke" oder "Chihiros Reise ins Zauberland" ein gutes Stück entfernt. Dank überzeugend gezeichneter Charaktere, dem Witz einer Verwechslungskomödie, der Spannung und Tragik eines Katastrophenfilms und dem Charme eines Liebesfilms gelingt Shinkai ein gleichermaßen unterhaltsamer wie anrührender Film. Wer sich nur einmal im Jahr einen Anime ansieht, macht mit "Your Name." definitiv nichts falsch.




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