Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Der Seidene Faden
Der Seidene Faden
© Universal Pictures International

Kritik: Der seidene Faden (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Der seidene Faden" ist die achte Regiearbeit von Paul Thomas Anderson ("Magnolia", "The Master") – und erneut ist zu spüren, dass sich der kalifornische Filmemacher mit großem Engagement und mit glühender Begeisterung einer Materie gewidmet hat. In diesem Fall ist es die glamouröse Welt der Mode im London der 1950er Jahre, welche er als Kulisse nutzt, um eine Dreiecksgeschichte im Gothic-Romance-Stil zwischen einer unbeschwert anmutenden Frau, einem genialischen Schneider und dessen Schwester zu erzählen.

Andersons langjähriger Kostümdesigner Mark Bridges hat für das Werk atemberaubend schöne Kleider entworfen; ebenfalls einnehmend ist die Kameraführung, für die Anderson selbst verantwortlich zeichnet: Der geschäftige Gang durch ein Haus oder eine Autofahrt in rasantem Tempo können wohl von keinem Zweiten so berückend in Bilder gefasst werden. Die sich entwickelnde Beziehung zwischen dem neurotischen Mode-Genie Reynolds Woodcock und der jungen Alma ist ein Spiel mit (Gender-)Klischees, hat immer wieder überraschende Momente, die den Film mal in Richtung einer Komödie, mal in schaurig-fieses Thriller-Gefilde treiben, und trägt deutlich zerstörerische Züge.

Daniel Day-Lewis, der bereits in "There Will Be Blood" (2007) mit Anderson zusammenarbeitete und dafür seinen dritten Oscar erhielt, liefert auch in "Der seidene Faden" eine eindrückliche Performance – die, wie der Schauspieler selbst mitteilen ließ, womöglich seine Abschiedsvorstellung ist. Der Brite verkörpert die Eitelkeit und Exzentrik, das Harsche und Grausame des Modeschöpfers mit sehr starkem Ausdruck. Bemerkenswert ist ebenso die Leistung der aus Luxemburg stammenden Vicky Krieps ("Das Zimmermädchen Lynn", "Der junge Karl Marx"), die sich an der Seite des Edel-Mimen Day-Lewis zu behaupten weiß und dabei die vielen Facetten von Alma – von der ungeschickten, formbar erscheinenden Projektionsfläche für Reynolds' Begierden bis hin zur äußerst unberechenbar Handelnden – gekonnt in ihrer Mimik und Körpersprache zum Ausdruck bringt. Mit Lesley Manville ("Another Year") als strenge Schwester von Reynolds bilden Day-Lewis und Krieps ein hervorragendes Trio. Gleichwohl bleiben uns die Figuren weitgehend fremd; es herrscht eine gewisse Distanz, die trotz der intensiven Darbietungen nie ganz verschwindet.

Fazit: Hingebungsvoll inszeniert und gespielt, in großen Bildern sowie nuancierten Blicken und Gesten eingefangen. Eine Nähe zu den Figuren bleibt aus; die Wucht des Trios Daniel Day-Lewis, Vicky Krieps und Lesley Manville ist dennoch mitreißend.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.